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Janusz Stefanski

Ansage zu einem Benefiz-Konzert für den Schlagzeuger Janusz Stefański am 6. Oktober 2002
Janusz Stefanski (2016) Foto: Frank C. Müller
Janusz Stefanski (2016)
Foto: Frank C. Müller

Im Namen der Jazz-Initiative Frankfurt darf ich Sie herzlich willkommen heißen. Mein Name ist Wolfram Knauer, ich leite in der Nachbarschaft das Jazzinstitut Darmstadt.

Am 29. Juni 2002 wollte Janusz Stefański zusammen mit einigen Freunden im Auto nach Köln fahren, um in der dortigen Philharmonie ein Konzert seines Freundes und langjährigen Musikerkollegen Tomasz Stańko zu erleben. Bei Idstein wurde er von einem Raser so bedrängelt, dass er in der Folge die Gewalt über seinen Wagen verlor, gegen mehrere Leitplanken stieß und schließlich mit Totalschaden liegenblieb.

Janusz zog sich bei dem Unfall einen Sehnenabriss an der linken Schulter zu, der ihn für einige Monate spielunfähig macht. Er wurde operiert, befindet sich momentan in Schmerz- und dauernder krankengymnastischer Rehabilitationsbehandlung, mit der eine möglichst vollständige Gesundung erreicht werden soll.

Unfälle sind für jeden schreckliche Schicksalsschläge, für einen Schlagzeuger nagen sie an der Existenzfähigkeit. Als Vitold Rek die Idee aufbrachte, ein Benefizkonzert für seinen Freund Janusz Stefański zu veranstalten, waren schnellstmöglichst alle möglichen Musiker mit dabei, mit denen er in so ganz unterschiedlichen Besetzungen zusammen arbeitete, Musikerkollegen aus alten Tagen, einige polnische Musiker, die sich wie er irgendwann entschieden hatten, ihre musikalische Zukunft in Deutschland zu gestalten, Kollegen aus den Hochschulen, an denen Janusz seit Jahren unterrichtet, Schüler und Studenten. 

Wir kennen Janusz Stefański als einen kraftvollen Schlagzeuger, als einen Menschen voller Ideen und voller Kraft, seine Ideen umzusetzen, sie mit Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit anderen zu vermitteln, als einen Organisator, der Dinge wahr machen kann, bei denen andere wahrscheinlich schnell aufgeben würden. Und so kann es nicht wirklich wundern, dass irgendwann recht schnell im Laufe der Vorbereitungen zu diesem Benefizkonzert Janusz selbst die Projektleitung übernahm und damit zugleich seinen Traum eines multimedialen Konzert-/Kunstprojekts verwirklichte. 

Wenn auch der Anlass für das heutige Konzert erst einmal ein unschöner ist, so zeigt unser aller Präsenz doch auch die Freundschaft, die Janusz in all diesen Jahren erlangt hat, ist ein schöner Beweis der Solidarität einer Szene, die eigentlich eher klein ist, und in der jeder einzelne so sehr an eigenen Projekten bastelt, dass der Blick in die Projektwerkstätten der Kollegen manchmal etwas selten wird. Heute aber kommen sie alle zusammen, die Freunde und Kollegen von Janusz Stefański, aus Solidarität, um ihm zu helfen, aber auch, um ihm ihre Achtung, Zuneigung, Freundschaft zu beweisen. 

Der Anlass ist nicht gerade freudig, der Abend aber soll eher ermutigend sein. Janusz, wenn wir alle heute hier sind, dann ist jeder Ton, der erklingt, jedes Bild, das wir sehen, jedes Wort, das wir sprechen, zugleich ein Daumendrücken für Dich und Deine Gesundheit. Und Daumendrücken ist nichts Trauriges, sondern etwas ungemein Optimistisches. Denn das imponiert mir, vielleicht uns allen, ja so besonders an Dir, dass Du mit Optimismus in die Welt schaust, planst, träumst, und die Träume verwirklichst – selbst in einer Situation wie der augenblicklichen. 

Also drücken wir Dir jetzt ein wenig die Daumen und feiern alle gemeinsam einen schönen Abend. Es wird Filme geben und Bandaufnahmen und natürlich Livemusik, vielerlei akustische und optische Eindrücke. Es wird ein langer Abend werden, Chaos und Harmonie – und das ist auch der Titel, den Janusz Stefański dem Abend gegeben hat: „Chaos & Harmony“.

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Janusz hat mich gebeten, ein paar Erläuterungen zu den einzelnen Programmpunkten einfließen zu lassen. 

Fangen wir also an:

Im ersten Teil werden wir zwei Filme zu sehen bekommen. Es beginnt mit „Sound Track“, einem Film des polnischen Filmemachers Kuba Gontarczyk und seiner Frau, der gefragten ungarischen Bühnenbildnerin Anna Kiraly. Die beiden sind in die U-Bahn-Stationen Manhattans gegangen und dokumentierten das musikalische Geschehen in den Gängen und auf den Bahnsteigen: Straßenmusiker im Untergrund! Das Ergebnis ist ein höchst musikalischer Film. Kein Jazzfilm, sondern ein Musikfilm, der die ganze Bandbreite und musikalische Farbigkeit, die Intensität und zugleich das Momenthafte solcher U-Bahn-Musiker dokumentiert. Der Film hatte seine Weltpremiere im Dezember 2001 in New York, wird heute abend erstmals in Europa gezeigt. Nebenbei bemerkt: Die Dreharbeiten fanden vor dem 11. September 2001 statt.

Danach sehen wir die Fernsehdokumentation „Jazz-Schlagzeuger Janusz Stefański“, die 1999 im Hessischen Rundfunk lief. Der hr war – einmal wieder – auf Janusz Stefanski aufmerksam geworden, als der im Vorfeld der Buchmesse 2000 mit dem Spezialthema „Polen“, mehrere Konzerte zu organisieren begann. Der polnische Regisseur Andrzej Falber, der damals für ARD und ZDF arbeitete und heute in Warschau lebt, besuchte Janusz zuhause und filmte bei einem Konzert im Theaterhaus, bei dem auch viele Musiker der Frankfurter Szene zu sehen sind und sich bestimmt auch im Publikum einige wiedererkennen können, die auch heute abend mit dabei sind.

Vor der Pause dann hören wir das Fragment der letzten Studioaufnahme mit Janusz Stefański, eingespielt mit der NDR-Bigband im Februar 2002. Das Fragment ist Teil einer längeren Komposition, „The Raven“, des Saxophonisten Joachim Ullrich, der ja zugleich Kollege Januszs am Fachbereich Musik der Universität Mainz ist. Joachim Ullrich wäre heute abend gerne mit dabei gewesen, musste aber just heute mit der Kölner Saxophon Mafia zu Konzerten nach Madagaskar aufbrechen.

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Die zweite Hälfte des Programms beginnt mit einer weiteren Bandeinspielung. Als Januszs alter Freund Tomasz Stańko von diesem Konzert hörte, wäre er am liebsten selbst mit dabei gewesen. Aber Stańko spielt momentan in Finnland, bereitet sich auf eine US-Tournee vor, nachdem sein neuestes Album auch in den Vereinigten Staaten so enorm positiv aufgenommen wurde. Stanko wollte aber auf jeden Fall mit dabei sein und hat Mitte September eine Minute Musik für Janusz eingespielt, ein Stück mit dem Titel „For Janusz“, das wir als erstes hören werden. 

Danach wird sich die Bühne füllen. 

Ein paar Worte zu den Musikern des Abends:

Es hätten noch erheblich mehr Musiker dabei sein können auf der Bühne. Zu den Musikern, die absagen mussten, weil sie andere Konzertverpflichtungen haben, gehören neben Tomas Stanko und Joachim Ullrich u.a. Christof Lauer, Christoph Spendel, die Jackson Singers und auch Herbert Joos, der auf dem Programmzettel ausgedruckt ist, aber aus Termingründen nicht kommen konnte. 

Herzliche Grüße soll ich außerdem von Werner Wunderlich ausrichten, der ja selbst eine Art Brücke zwischen Frankfurt und Polen darstellt: Er hatte 1957 die deutsch-polnischen Jazzkontakte nach dem Krieg überhaupt erst begonnen, als er für die Deutsche Jazzföderation Albert und Emil Mangelsdorff mit den Frankfurt All Stars zum Jazzfestival in Sopot brachte. Und… eines der letzten Konzerte, das Janusz Stefanski nach seinem Unfall spielte, war jenes Konzert, das er zusammen mit Vitold Rek am 15. August in Werner Wunderlichs Konzertreihe „Jazz im Palmengarten“ gab. Werner Wunderlich hat mich heute mittag angerufen – ihn hat ein Virus erwischt, so dass er die Fahrt von Baden-Baden nach Frankfurt heute lieber nicht machen konnte. Aber: Schöne Grüße an alle Beteiligten und auch an alle hier im Publikum!

Die Musiker:

Bülent Ates muss ich hier niemandem vorstellen. Er hat hier in Frankfurt mit so vielen Musikern zusammengespielt, viele junge Schlagzeuger unterrichtet, mit eigenen Bands und denen anderer Kollegen zusammengearbeitet, ist außerdem immer präsent bei Konzerten, neugierig und offen für Gespräche und Experimente. Er ist ein exzellenter Schlagzeuger, und er ist ein guter Freund Janusz Stefanskis.

Mit Manfred Bründl hat Janusz in vielen Besetzungen zusammengespielt, darunter in Manfred Bründls Basslab sowie in einer Besetzung mit Tomas Stańko und Matthias Schubert. Manfred Bründl war lange Jahre sein Kollege am Fachbereich Musik der Universität Mainz und leitet heute den Jazzstudiengang der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. 

Mit Ekkehard Jost ist Janusz erst im Juni dieses Jahres im Jazzinstitut Darmstadt aufgetreten. Er hat (mindestens) zwei Standbeine im Jazz, ist als Baritonsaxophonist mindestens genauso anerkannt wie als Musikwissenschaftler und ist Autor einiger der besten Bücher zum Jazz. Seine „Sozialgeschichte zum Jazz in den USA“ ist nach wie vor ein Standardwerk, und dazu noch außerordentlich lesenswert, und sein Buch „Free Jazz“ ist gerade frisch wiederaufgelegt worden. 

Auch mit Bernd Konrad hat Janusz in vielerlei Formationen zusammengearbeitet, vor vier Jahren beispielsweise mit einem deutsch-polnischen Ensemble, dem auch Urszula Dudziak angehörte. Er ist auch als Komponist sehr erfolgreich und hat an der Stuttgarter Musikhochschule deren angesehenen Studiengang zum Jazz mitaufgebaut. 

Emil Mangelsdorff ist natürlich einer der Frankfurter Jazz-Überväter, und Janusz seit Jahren der Schlagzeuger seiner Wahl. Ich hatte schon erwähnt, das Emil 1957 beim ersten Konzert deutscher Jazzmusiker in Polen mit dabei war – es gibt sogar Plattenaufnahmen von jenem Konzert. Janusz musste vorerst die geplanten Konzerte mit Emil absagen, und so drücken wir auch Emil die Daumen, dass er seinen Lieblingsdrummer bald wieder zurückhat.

Der Saxophonist Andrzej Olejniczak machte sich in den 70er Jahren mit der Band „Katowice“ einen Namen. Seit 1984 lebt er in Bilbao, spielt dort mit spanischen Musikern, aber auch mit amerikanischen Jazzgrößen und ist auch im klassischen Bereich aktiv. Morgen abend übrigens tritt er mit Emil Mangelsdorff bei dessen Konzertreihe im Holzhausenschlösschen auf.

Adam Pierończyk ging 1988 mit 18 Jahren aus seinem Heimatland Polen nach Deutschland, wo er Workshops besuchte und an der Folkwang-Hochschule studierte. Er hat mit etlichen namhaften Musikern zusammengespielt, aber auch immer eigene Projekte verfolgt. Mit Janusz, Vitold Rek und Vladislav Sendecki hat er im Polski Jazz Quartet zusammengearbeitet. 

Vitold Rek studierte Konrabass in Krakau, Januszs Heimatstadt. Seine ersten Aufnahmen machte er mit Jan Wróblewski, spielte 1978-81 mit Vladislavs Sendeckis „Sun Ship“ und in den 80er Jahren in diversen Besetzungen um Tomasz Stanko. 1989 zog er nach Deutschland, arbeitete hier u.a. mit John Tchcai, Karl Berger, Elvira Plenar und seiner eigenen Band East West Wind. Sein Solo-Projekt „Bassfiddle alla Polacca“ verbindet seine polnischen Wurzeln mit seinen Jazzideen. Und außerdem ist Vitold der Initiator des heutigen Benefizkonzerts.

Michael Sagmeister ist wieder ein Frankfurter Jung, den man hier niemandem vorstellen muss. Er hat mit allen fast großen Namen des Jazz zusammengearbeitet, spielt solistisch, in kammermusikalischen Duos, Trios und größeren Besetzungen. Daneben ist er ein gefragter Pädagoge und Kollege Januszs Stefańskis hier im Hause.

Vladislav Sendecki studierte ebenfalls in Krakau. In den 70er Jahren gründete er die Band „Star Ship“, die etliche Preise einheimste, emigrierte 1981 in die Schweiz, tourte danach u.a. mit Michal Urbaniak und Leszek Żądłos Polski Jazz Ensemble. Seit 1995 ist er Mitglied der NDR Bigband und daneben mit vielen eigenen Projekten aktiv.

Matthias Schubert gehört zu den angesehensten Tenorsaxophonisten Deutschlands. Seine Jazzkontakte sind unaufzählbar, von Albert Mangelsdorff über Gunter Hampel bis zu Klaus König und etlichen eigenen Ensembles, mit denen er einige hochgehandelte Alben eingespielt hat. Und außerdem schreibt er vertrackte und ungemein spannende Kompositionen.

Auch Maria Stocka stammt ursprünglich aus Polen, lebt, singt und unterrichtet mittlerweile in Minden. Ihre CD steckte übrigens im Auto-CD-Spieler des Unglückswagen und überlebte den Unfall nicht. Also freut sich Janusz mit uns doppelt, dass Maria statt eines CD-Ersatzes gleich selbst bei diesem Konzert mitmacht.

Sowohl Jule Unterspann und Simon Zimbardo stammen sozusagen aus der Mainzer Stefanski-Schule, haben also beide am Fachbereich Musik der Uni Mainz bei Janusz studiert. Simon Zimbardo hat neben diversen eigenen Projekten etliche Preise eingeheimst und gehört mit zu den aktivsten Schlagwerkern des Rhein-Main-Gebiets.

Und dann ist da noch ein aktuelles Studententrio aus Mainz angereist: Gitarrist Daniel Stelter, Bassist Sebastian Klose und Schlagzeuger Axel Pape, auch sie gehören mit zu den aktiven jungen Musikern unserer hiesigen Szene.

All diese Musiker werden sich gleich in unterschiedlichen Besetzungen hier einfinden, zusammen-choreographiert im Laufe des Nachmittags, so dass wir auf spannende und inspirierte Begegnungen hoffen können. 

Ich wünsche Ihnen allen, Euch allen, uns allen viel Spaß beim zweiten Teil von „Chaos & Harmony“

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Lassen Sie mich kurz vor Schluss noch ein paar Worte zu Janusz Stefanski sagen:

Ich selbst habe Janusz Stefański zum ersten Mal am 6. Juni 1980 live gehört, und zwar im Rahmen des „5. New Jazz Meeting“ in der Hamburger Fabrik und mit der Bandkooperative „The Quartet“. Dieser gehörten damals vier herausragende Musiker an: der Saxophonist Tomasz Szukalski, der Pianist Słavomir Kulpowicz, der Bassist Pavel Jarzębski und Janusz Maria Stefański. 

In den 70er Jahren hatte die polnische Jazzszene mindestens in Europa von sich reden gemacht. Das lag zum einen an der herausragenden Qualität ihrer Musiker – Stańko und Szukalski wurden besonders hoch gehandelt, aber auch Adam Makowicz, Urszula Dudziak und Michal Urbaniak, die Ende der 70er Jahre in die USA gingen, waren für diesen Ruf mit verantwortlich. Es lag zum anderen daran, dass es in Polen einige erstaunlich gute PR-Manager für den polnischen Jazz gab. Ende der 60er Jahre wurde die Polnische Jazzföderation erst zur Europäischen Jazzföderation, dann in den 70er Jahren gar zur Internationale Jazzföderation, gleichzeitig wurde die ursprünglich auf Polnisch erscheinende Zeitschrift „Jazzforum“ zu einem englischsprachigen Zweimonatsblatt, das eben nicht nur aus dem Ursprungsland des Jazz berichtete, also den USA, sondern aus aller Welt: aus Südamerika und Japan und Australien und West- genauso wie Osteuropa. Und da hinter dem „Jazzforum“ mit Jan Byrczek ein polnischer Herausgeber stand, gab es immer auch Berichte über die Aktivitäten polnischer Musiker. 

Auch wenn es jetzt mehr als 22 Jahre her ist, entsinne ich mich doch noch ziemlich gut an jenes Konzert in der Hamburger „Fabrik“. Und woran ich mich besonders erinnere, ist die enorme Energie, die dieses Quartett damals ausstrahlte, und an die für norddeutsche Ohren der späten 70er Jahre eher ungewohnten Verbindungen von freiem Jazz und Bluesmomenten in einer energiegeladenen aber – und das war damals durchaus mal wieder was Ungewöhnliches – akustischen Umgebung.

Janusz war natürlich schon weit länger aktiv gewesen. Als ich vorletzte Woche in Warschau war, drückte mir dort ein Musiker eine Foto-Dokumentation über das „Jazz Jamboree“ in die Hände, eines der ältesten europäischen Jazzfestivals. Und beim Durchblättern entdeckte ich Janusz Maria Stefański bereits in einem Foto aus der Mitte der 60er Jahre. Bald spielte er mit Musikern, die weit über die Grenzen Polens hinaus bekannt waren, darunter der Geiger Zbigniew Seifert und seit 1967 mit Tomas Stańko. 1969 wurde er Mitglied im Polnischen Rundfunk Jazz Studio Ensemble unter der Leitung von Jan Wróblewski. In den 70er Jahren arbeitete er regelmäßig mit Stańko, in Hans Kollers Band „Free Sound“, mit Zbigniew Namysłowski und der schon erwähnten Bandkooperative „The Quartet“. 

1981 hatte Janusz gerade Rundfunk- und TV-Aufzeichnungen beim Südwestfunk und ein Clubgastspiel im Frankfurter Jazzkeller beendet, als in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde. Da er kurz darauf mit dem Vienna Art Orchestra, mit dem er damals arbeitete, auf Tournee gehen sollte, blieb er vorsichtshalber im Westen, zumal seine Frau und Tochter bereits nach Frankfurt gezogen waren. 

Inzwischen lebt er seit 20 Jahren in Deutschland. In diesen Jahren hat er die Frankfurter, mehr noch, die deutsche Jazzszene nachhaltig mitbeeinflusst: als Schlagzeuger, als Komponist, als Bandleader, als Lehrer. Und daneben ist er seither an etlichen musikalischen Projekten beteiligt. Er unterrichtet hier im Hause sowie am Fachbereich Musik der Universität Mainz, ist regelmäßiger Dozent bei Workshops, beispielsweise bei den „Darmstädter Jazz Conceptions“, Organisationsgenie für Konzerte wie jenes Polnische Jazz Konzert und ein dieses begleitendes Symposium zur Situation des Jazz in Polen in der Alten Oper anlässlich der Buchmesse vor zwei Jahren, das ein wirklich faszinierendes Programm bot. 

Und natürlich ist Janusz Stefański ein beliebter Musiker – weil er ein so exzellenter Schlagzeuger ist, ein einfallsreicher und einfühlsamer Komponist, ein so mitreißender Pädagoge, ein so zuverlässiger Kollege, ideenreich, präsent, engagiert. Und daher überrascht es auch nicht, das sich heute abend so viele seiner Kollegen hier versammelt haben, um ihm ihre Freundschaft zu bekunden.

Wolfram Knauer