{"id":201,"date":"2024-04-16T08:09:24","date_gmt":"2024-04-16T08:09:24","guid":{"rendered":"https:\/\/wolframknauer.de\/?p=201"},"modified":"2025-03-12T12:24:45","modified_gmt":"2025-03-12T12:24:45","slug":"dann-spielen-wir-was-sie-dirigieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wolframknauer.de\/en\/dann-spielen-wir-was-sie-dirigieren","title":{"rendered":"&#8222;Dann spielen wir, was Sie dirigieren!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein \u00dcberblick \u00fcber die Tradition von Komposition und Dirigat im Jazz mit ein paar speziellen Fragen an die Dirigenten und Komponisten Dieter Glawischnig und Mathias R\u00fcegg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-code\"><code>Dieser Beitrag erschien urspr\u00fcnglich im von Alexander Dr\u010dar und Wolfgang Gratzer herausgegebenen Band <em>Komponieren &amp; Dirigieren. Doppelbegabungen als Thema der Interpretationsgeschichte<\/em> (Freiburg 2017: Rombach Verlag): 257-286<\/code><\/pre>\n\n\n\n<p>Im Zentrum dieses Kapitels steht die Doppelt\u00e4tigkeit der beiden \u00f6sterreichischen Pianisten, Komponisten und Bandleader Dieter Glawischnig und Mathias R\u00fcegg. Glawischnig arbeitete von 1973 bis 2008 mit der NDR Bigband, die er von einem Unterhaltungs- in ein klares Jazzorchester \u00fcberf\u00fchrte. R\u00fcegg gr\u00fcndete 1977 das Vienna Art Orchestra, mit dem er bis 2010 mehr als 35 Produktionen vorlegte. Die Zusammenh\u00e4nge zwischen Komposition und Dirigat in ihrer Arbeit mit den jeweiligen Ensembles l\u00e4sst sich am besten anhand zweier Gespr\u00e4che skizzieren, in denen Glawischnig und R\u00fcegg auf konkrete Fragen Antwort geben. Um diese Antworten in den Jazzkontext einordnen zu k\u00f6nnen, kommen wir um einen ausf\u00fchrlichen R\u00fcckblick in die Jazzgeschichte nicht herum, der auf die unterschiedlichen Rollen des Dirigats im Jazz genauso einzugehen hat wie er terminologische Klarheit zu schaffen hat in Bezug auf Begriffe wie&nbsp;\u203aImprovisation\u2039,&nbsp;\u203aKomposition\u2039,&nbsp;\u203aArrangement\u2039, und&nbsp;\u203aDirigat\u2039.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff der&nbsp;<strong><u>Improvisation<\/u><\/strong>&nbsp;ist in der europ\u00e4ischen Musikgeschichte seit der Klassik als eine k\u00fcnstlerische Gr\u00f6\u00dfe weitgehend vernachl\u00e4ssigt wurde und vor allem durch den Jazz neu besetzt worden. Improvisation wird oft als&nbsp;\u203atabula rasa\u2039&nbsp;missverstanden, w\u00e4hrend sie wohl eher mit der freien Rede verglichen werden sollte, dem Entwickeln musikalischer Gedanken mithilfe von Vokabeln, Grammatik und Satzstrukturen. Im Jazz gibt es eine Bandbreite improvisatorischen Musizierens, die von Verzierung und Umspielung \u00fcber die an harmonischen, melodischen oder rhythmischen Strukturen sich orientierenden Chorussoli bis hin zur mehr oder weniger freien Improvisation reicht, in der die Formgestalt sich aus der spontanen Kommunikation der K\u00fcnstler ergibt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt jede Menge an Absprachen, die der Improvisation zugrunde liegen und die einen mehr oder weniger geordneten musikalischen Ablauf garantieren sollen. Die \u00fcblichste Absprache ist die des Chorusmodells, bei der Musiker sich an der harmonischen Struktur des zugrundeliegenden Themas orientieren, \u00fcber die sie eine bestimmte (oder auch unbestimmte, spontan sich ergebende) Anzahl an Chorussen spielen, meist als improvisierte Soli, ab und an im Duo oder gar im Kollektiv, eventuell mit vorgeplanten Begleitungen im Arrangement oder auch mit spontan hinzugesetzten Begleitriffs.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Grundlage, auf der das alles passiert und auf der sich der Improvisator, egal welchen Instruments, relativ frei von den Vorgaben l\u00f6sen kann, ist in der Regel die Rhythmusgruppe, die mehr oder weniger klar die Struktur markiert, harmonische Wechsel betont, an die Form erinnert, und dem Solisten dabei die M\u00f6glichkeit gibt, gerade auch im Kontrast zur bekannten Melodik, Rhythmik, Harmonik, Form des interpretierten Themas Spannung aufzubauen und zu entwickeln. Absprachen k\u00f6nnen rigider sein, etwa, wenn es sich um Improvisation innerhalb eines Orchesterarrangements handelt, die Musik also zu einer vorab bestimmten Zeit weitergehen und die Spontaneit\u00e4t damit eingeschr\u00e4nkt werden muss. Es gibt Beispiele sogenannter \u203asimulierter Improvisation\u2039, bei der ein Komponist scheinbar improvisierte Partien komplett ausnotiert hat (Andr\u00e9 Hodeir, aber auch bereits Duke Ellington), und es gibt Beispiele daf\u00fcr, dass auch im Orchesterkontext, der scheinbar striktere Vorgaben verlangt, eine gewisse Freiheit der Interpretation, auch der L\u00e4nge von Improvisation m\u00f6glich ist. Absprachen k\u00f6nnen auf der anderen Seite aber auch weit offener sein, indem sie etwa dramaturgische Verl\u00e4ufe andeuten oder Signale verabreden, zu denen der Verlauf des St\u00fccks ver\u00e4ndert werden soll etc.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Strukturen, innerhalb derer die Improvisation sich abspielt, fallen bereits in den Bereich der&nbsp;<strong><u>Komposition<\/u><\/strong>. Nichts anderes n\u00e4mlich sind solche Absprachen als unterschiedlichste Arten von teils vorgeplanter, teils spontaner, teils von einem K\u00fcnstler, teils von allen gemeinsam geplanter \u203aKomposition\u2039 des musikalischen Ablaufs mit mehr oder weniger Freir\u00e4umen zur improvisatorischen Ver\u00e4nderung eben dieser Planung. Hier erkennen wir bereits einen grundlegenden Unterschied des Verst\u00e4ndnisses von \u203aKomposition\u2039 aus europ\u00e4isch-westlicher zu jenem aus afro-amerikanischer Sichtweise. Im Westen ist der Terminus irgendwann in den letzten dreihundert Jahren zum Synonym f\u00fcr \u203ak\u00fcnstlerisches Werk\u2039 geworden, hat sich zu einem \u00e4sthetischen Wertmerkmal entwickelt, das einen Autor hat, den eigentlichen kreativ-sch\u00f6pferischen Prozess umschreibt und zu einem f\u00fcr alle Zeiten festzustehen scheinende Gebilde geworden ist, das in Folge h\u00f6chstens \u203ainterpretiert\u2039, nicht aber in Frage gestellt wird. Solch eine Art von Komposition gibt es gewiss auch im Jazz; doch zumeist ist Komposition hier nur eine von mehreren Vorstufen zum kreativen Prozess.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Komposition im Jazz kann das Themengebilde bezeichnen, das Ausgangspunkt einer Interpretation ist, also den 32-taktigen Song oder den 12-taktigen Blues einschlie\u00dflich seiner melodischen, harmonischen und rhythmischen Struktur. Der Komponist eines solchen Themas ist in der Regel allerdings noch kein \u203aJazzkomponist\u2039 \u2013 die meisten der Standards im Jazzrepertoire stammen von Musical- oder Filmkomponisten und wurden also f\u00fcr ganz andere Zwecke als die Jazzinterpretation erschaffen. Solche Themen stehen bestenfalls zu Beginn und zum Schluss der Interpretation, mehr oder weniger originalgetreu gespielt; die Harmonien unter den Themen bilden die Improvisationsgrundlage f\u00fcr die Solisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur \u203aJazzkomposition\u2039 geh\u00f6rt ein weiteres: Der Jazzkomponist plant eine Struktur, den Ablauf eines St\u00fccks, innerhalb dessen thematische Passagen genau wichtig sind wie solistische (und damit eben nicht komponierbare bzw. durch den Komponisten planbare) Freir\u00e4ume. Er plant Kontraste harmonischer, klanglicher, rhythmischer oder metrischer Natur. Er kann \u00dcberg\u00e4nge der festgelegten in die improvisierten Passagen und zur\u00fcck planen. Er mag Begleitstrukturen f\u00fcr wichtig erachten, die auch in der Freiheit, die dem Solisten bei seinen Soli zusteht, sicherstellen, dass der Bezug zum Umgebenden gehalten wird. Der Jazzkomponist hat die Ausf\u00fchrung durch ein Ensemble im Sinn, wei\u00df eben gerade um die nicht einzig auktoriale Rolle, die er dabei spielt, versucht eine Balance herzustellen zwischen seiner Vorstellung eines Klangergebnisses und der Freiheit, die er den Solisten zugesteht. Komponisten wie Jelly Roll Morton, Duke Ellington, Charles Mingus, Gil Evans und andere arbeiteten dabei durchaus mit konventionellen Mitteln, mit Notenarrangements und fixen Formteilen, die aufeinander bezogen waren. Im Extremfall kann Jazzkomposition aber auch weit freier geschehen. Grafische Notation etwa von Anthony Braxton, Komposition, die mit Zufallswerten arbeitet wie einige St\u00fccke von John Zorn, Komposition, die einzig auf gro\u00dfe formale Bl\u00f6cke fixiert ist wie die Arbeit von Cecil Taylor \u2013 all das sind kompositorische Entscheidungen, die sich zum Teil erheblich von dem unterscheiden, was in der europ\u00e4ischen Musikgeschichtsschreibung unter kompositorischem Handwerk verstanden w\u00fcrde<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine dritte Kategorie neben Improvisation und Komposition ist das&nbsp;<strong><u>Arrangement<\/u><\/strong>. Auch hier gibt es terminologische Missverst\u00e4ndnisse, die aus der Verankerung des Begriffs in der westeurop\u00e4ischen Kunstmusik begr\u00fcndet liegen. Dort greift ein Arrangeur etwa ein, um ein \u203aWerk\u2039 f\u00fcr eine andere Besetzung umzuschreiben, um leichtere oder komplexere Fassungen eines Werkes zu schaffen. Im Jazz nimmt der Arrangeur ebenfalls bestehendes Material, etwa die Themen eines Standards oder des Blues, und schreibt um sie herum einen Verlauf, in dem thematische Passagen mit solistischen abwechseln. Der Arrangeur im Jazz hat also eher eine am oben beschriebenen Jazzkomponisten gemessene Aufgabe, anders als der Arrangeur in der europ\u00e4ischen Kunstmusik, den man nicht mit dem Komponisten vergleichen w\u00fcrde. Der Unterschied ist der Grad des kreativen Eingriffs. Der Jazzarrangeur stellt \u00e4hnlich wie der Jazzkomponist die Balance zwischen gelenktem Ensemble- und Solospiel in den Vordergrund. Er wird die Klangfarbe des Ergebnisses entscheidend mit pr\u00e4gen, geh\u00f6rt daher in Diskographien durchaus zu Recht mit in die Auflistung des Bandpersonals.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bleibt die vierte Kategorie, die f\u00fcr unser Thema wichtig ist: der&nbsp;<strong><u>Dirigent<\/u><\/strong>. Ein Dirigent ist in der klassischen Musik aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden wichtig. Zum einen sind die aufzuf\u00fchrenden Werke zum Teil so komplex und f\u00fcr so gro\u00dfe Ensembles geschrieben, dass es eines Koordinators braucht, der den ausf\u00fchrenden Musikern aus einer Art neutraler H\u00f6rposition heraus hilft, pr\u00e4zise Eins\u00e4tze zu finden, die Dynamik auszubalancieren, auf rhythmische Facetten Acht zu geben und vieles mehr. Der Dirigent ist also Ergebnis sowohl immer gr\u00f6\u00dfer werdender Ensembles als auch einer immer komplexer werdenden Kunst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jazz sind die Ensembles meist \u00fcbersichtlich. Ein Quartett oder ein Quintett kommt genauso gut wie jedes Streichquartett ohne einen Dirigenten aus. Und selbst eine Bigband ben\u00f6tigt in der Regel niemanden, der ihr die Eins\u00e4tze gibt. Die Rollen sind hier klar zugewiesen: in jedem Instrumentalsatz gibt es einen Anf\u00fchrer, der die Saxophone, die Posaunen, die Trompeten im Griff hat, eventuell auch \u00fcber den Satz hinaus Eins\u00e4tze gibt, wenn es komplex wird und n\u00f6tig ist. Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel, aber selbst die meisten Bigbandleiter waren daneben eben auch Instrumentalisten in ihrer eigenen Band und hielten sich h\u00f6chstens zu Beginn eines St\u00fccks, oder wenn es wirklich mal sehr schwierig wurde, vor dem Ensemble auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gab daneben immer auch Bands, die dennoch auf einen Dirigenten zur\u00fcckgriffen \u2013 aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden. Paul Whiteman dirigierte sogar mit einem Stab; das allerdings war vor allem Show und dem Publikum geschuldet; auch wollte Whiteman schon in den 1920er Jahren den Jazz als eine \u203aLady\u2039 pr\u00e4sentieren und zielte mit dem \u203abaton\u2039 auch auf das Bild des klassischen Dirigenten. Jelly Roll Morton und Cab Calloway lie\u00dfen sich eher zu Showzwecken mit Taktstock ablichten. Duke Ellington und Count Basie gaben ihre Eins\u00e4tze zumeist vom Klavier aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen reicht die Bandbreite des Dirigierens im Jazz vom blo\u00dfen Mitwippen und Mitschnipsen eines Woody Herman bis hin zu den anfeuernden, das Orchester geradezu herausfordernden Rufen und heftigen Handzeichen eines Thad Jones. Immer wieder gab es komplexe Arrangements, f\u00fcr die Bands einen Dirigenten ben\u00f6tigten, um ihnen bei der korrekten Ausf\u00fchrung zu helfen, so etwa in Kompositionen des \u00f6sterreichischen Fl\u00fcgelhornisten Franz Koglmann. Doch ist dies die Ausnahme.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Ausnahme soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben, weil sie das Dirigat mit dem Improvisator verbindet. Es ist die Technik der Conduction, die von verschiedenen Musikern als eine Art improvisierter F\u00fchrung gro\u00dfer Ensembles entwickelt wurde, insbesondere vom amerikanischen Kornettisten Butch Morris, der ein eigenes Repertoire an Gesten und Zeichen entwickelte, um eine Band durch eine kollektive Improvisation zu leiten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dirigenten sind auf jeden Fall die unh\u00f6rbaren Musiker im Ensemble, da sie \u2013 zumindest in dieser Funktion \u2013 auf der Aufnahme in der Regel nicht zu h\u00f6ren sind. Tom Lords umfassende Diskographie verzeichnet in der letzten Ausgabe (Vol. 15, 2014)<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;in mehr als 217.000 gelisteten Sessions etwa 2.500 Aufnahmesitzungen, bei denen dezidiert ein Dirigent (conductor) angegeben wird. Oft handelt es sich hierbei um die Arrangeure, die etwa kompliziertere St\u00fccke selbst einz\u00e4hlten (Gerry Mulligan, Gil Evans etc.), oft um gro\u00dfe Begleitensembles etwa f\u00fcr S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger (Dinah Washington, Sarah Vaughan), oft um sinfonische Ensembles oder Ch\u00f6re, um die eine Jazzperformance verst\u00e4rkt wurde. Diese statistische Zahl ist jedoch nur bedingt aussagef\u00e4hig, da Dirigenten einerseits oft gar nicht angegeben werden, da es sich bei Lords Diskographie zum zweiten um eine blo\u00dfe Z\u00e4hlung der Aufnahmesitzungen handelt (also nicht der einzelnen Dirigenten), und da zum dritten Dirigenten aus dem Orchester heraus (also beispielsweise Satzf\u00fchrer, die in komplexeren St\u00fccken die Regie \u00fcbernehmen) gar nicht aufgef\u00fchrt sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir einige konkrete Beispiele aus der Jazzgeschichte:<\/p>\n\n\n\n<p>Count Basie wird in Diskographien nie als \u203aDirigent\u2039 ausgewiesen. Tats\u00e4chlich hat er vom Klavier aus ein minimalistisches Konzept an Zeichen entwickelt, die er mit H\u00e4nden, Kopf (und Blicken) sowie dem Instrument bedient. Oft kommuniziert er dabei mit Freddie Green, dem Gitarristen der Band, der wie eine Art Scharnier zwischen Basie und seinem Orchester wirkt; immer wieder auch mit dem Satzf\u00fchrer, dem \u203astraw boss\u2039; in der Band der 1950er und 1960er Jahre insbesondere dem Saxophonisten Marshall Royal, der in dieser Funktion bereits in Lionel Hamptons Band gedient hatte, in den 1970er Jahren ersetzt durch Bobby Plater. Handgesten Basies und deutliche Fingerzeige sind die \u00fcblichsten Zeichen, die er meist zu Beginn eines St\u00fccks oder beim Schlusschorus nutzt, um den Einsatz des Orchesters einzuz\u00e4hlen. Kopfgesten erheischen die Aufmerksamkeit des Ensembles, ein scharfer Blick und ein kurzes Nicken geben dann den Einsatz, beispielsweise f\u00fcr eine ge\u00e4nderte rhythmische Faktur. Am h\u00e4ufigsten sind Basies \u203aInstrumentaldirigate\u2039, sehr klare Klavierphrasen, die \u00fcberdeutlich auf den Einsatz der Band hinleiten. Sie bauen Spannung auf, sind zugleich oft genug ein effektiver Kontrast in der Sparsamkeit seiner T\u00f6ne, Akkorde, Rhythmen und dem vollen Sound der Bigband. Auch in seiner Begleitung von Soli \u203adirigiert\u2039 Basie das Ensemble, ermuntert beispielsweise zu Background-Riffs der Bl\u00e4ser. Er tut all dies mit einer Ruhe und Besonnenheit, die der enormen Dynamik seines Ensembles entgegenzustehen scheint, bei der aber klar ist, dass er die Band in jeder Sekunde \u203aunter Kontrolle\u2039 hat. Besonders deutlich wird der Einfluss dieses Dirigats vom Klavier aus dort, wo Basie nicht mit dabei ist \u2013 etwa in Aufnahmen, die das Orchester mit fremder Rhythmusgruppe als Begleitband verschiedener Vokalisten in den 1950er und 1960er Jahren machte. Nach Basies Tod wurde die Band von Thad Jones, Frank Foster, Grover Mitchell und anderen geleitet, ehemaligen Bandmitgliedern, die meist vor dem Orchester standen und dem Ensemble durch Handgesten ihre vor allem rhythmische Erfahrung des Basie-Sounds mit auf den Weg gaben. In den Aufnahmen dieser \u203aghost band\u2039 sind oft die Arrangements des authentischen Basie-Orchesters zu h\u00f6ren, die jetzt aber einer v\u00f6llig anderen Dynamik zu unterliegen scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Cab Calloway erz\u00e4hlt in seiner Autobiographie, wie er in der Band The Alabamians zum Dirigieren gekommen war: \u00bbDuring rehearsals, every time [Richard B.]\u00a0Harrison would turn his back I&#8217;d jump up on the stage under the pretense of rehearsing as M.C. for a number and I&#8217;d make the band move. The sound was so different when I directed the band that it was almost embarrassing. I could bring out the various sections, highlight the soloists, and make the band lively and vital.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>\u00a0Calloway sah sowohl den musikalischen Effekt seiner antreibenden Bewegungen vor der Band als auch die Showmanship dahinter. Seine Vorbilder waren wei\u00dfe Pop- und Novelty-Bands, wie er sie nennt, Bandleader wie Benny Meroff oder Paul Ash, an denen ihn faszinierte, dass sie nicht nur die Musiker inspirierten, sondern auch einen Effekt aufs Publikum besa\u00dfen<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>. Der \u00fcbergro\u00dfe wei\u00dfe Taktstock in den H\u00e4nden des Bandleaders mit wehenden Haaren und wei\u00dfem Frack war ein Showeffekt erster G\u00fcte; er nahm zugleich karikierend Bezug auf erstarrte Rituale der Klassik und den viel zahmeren Sound Paul Whitemans, dessen Silhouette mit Taktstock seit den 1920er Jahren zu einem Stereotyp geworden war, da er diese mit dem mitrei\u00dfenden Swing des schwarzen Amerikas f\u00fcllte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Dizzy Gillespie Big Band 1947 groovy man\" width=\"580\" height=\"435\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dtG5m7P56vk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dizzy Gillespie Big Band, 1947: &#8222;Groovy Man&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dizzy Gillespie hatte Ende der 1930er Jahre in Calloways Band gesessen und einige seiner B\u00fchnen-Acts dem \u00e4lteren Bandleader abgeschaut. Filmaufnahmen aus dem Jahr 1947 zeigen ihn, wie er die Band einz\u00e4hlt, Akzente schl\u00e4gt, aber auch vor dem Orchester auf- und abtanzt<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>\u00a0oder wie er die Band fast schon mit dem Hintern dirigiert, wenn er die ganze Zeit mit Gesicht zum Publikum steht und damit ganz deutlich macht, dass es auf der einen Seite um rhythmische Intensit\u00e4t und Motorik geht, die sein Tanzen und Dirigieren an die Band weiterreichen kann, auf der anderen Seite aber auch um den Effekt beim Publikum. \u203aTanzen\u2039 ist f\u00fcr diese fr\u00fchen Beispiele von Jazzdirigaten sowieso eine wichtige Erkl\u00e4rungshilfe. Bigbands der Swing\u00e4ra waren in erster Linie Tanzorchester \u2013 hier bewegte sich das Publikum. Cab Calloway war mehr und mehr ein Showorchester, zu dessen Auftritten neben den Instrumentalisten und Vokalisten auch T\u00e4nzer geh\u00f6rten. Calloway selbst ersetzte im Showact quasi die Motorik des tanzenden Saals, und nicht anders sind Dizzy Gillespies Tanzeinlagen zu verstehen, etwa in\u00a0<em>Oo Bop Sh&#8216; Bam!<\/em>\u00a0ebenfalls von 1947<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Dizzy GILLESPIE &quot;Oop Bop Sh&#039; Bam&quot; !!!\" width=\"580\" height=\"435\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/LSC0zze3dz0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dizzy Gillespie Big Band, 1947: &#8222;Oo Bop Sh&#8216; Bam&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Und schlie\u00dflich deuten sowohl Calloways als auch Gillespies tanzende Dirigate auf noch eine weitere Tradition des Jazz, die n\u00e4mlich des Grand Marshall, der, in feierliche Kleidung mit Handschuhen und manchmal mit einem Stab oder einem Schirm, die seine F\u00fchrungsrolle bekr\u00e4ftigten, die Begr\u00e4bniszeremonien in New Orleans anf\u00fchrte<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>. Der Taktstock als Symbol f\u00fcr Zepter und heiligen Stab, aber auch f\u00fcr die H\u00e4uptlingsst\u00e4be afrikanischer Erinnerung; die popul\u00e4re Musik Afro-Amerikas ist reich an mehr oder weniger versteckten Verweisen, die die eigene mit der angenommenen Kulturgeschichte verbinden, double-entendre, Signifying Monkey.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich waren auch Bandleader wie Fletcher Henderson und andere darauf angewiesen, ihre Bands bei Gelegenheit dirigierend zu lenken. Duke Ellington allerdings ist wohl der erste Komponist \/ Bandleader, f\u00fcr den die F\u00fchrung durch Gesten, rhythmische Bewegungen oder instrumentale Eingriffe besonders wichtig war, da viele seiner St\u00fccke seit den Mitt-1920er Jahren komplexe, auf die Dramaturgie der Komposition bedachte Werke waren, in die er Solopassagen einwebte, die ihrerseits als Teil eines \u203akompositorischen\u2039 Gesamtkonzepts dienten. Wie Whiteman und Calloway war Ellington durchaus Showman; er hatte Musik f\u00fcr B\u00fchnenrevuen geschrieben und achtete sehr auch auf die optische Wirkung seiner Auftritte. Im Dezember 1938 erschien in der Fachzeitschrift\u00a0<em>Down Beat<\/em>\u00a0eine kurze Notiz mit dem Hinweis, Ellington habe bei seinem j\u00fcngsten Auftritt im Apollo Theater in Harlem eine neuartige Art des \u203aband-conducting\u2039 entwickelt, zu dem B\u00fchnenelemente auf verschiedener H\u00f6he geh\u00f6rten, das Schlagzeug am h\u00f6chsten gesetzt in der Mitte, links davon die Posaunen, rechts die Trompeten, davor die Saxophone und davor das Klavier, von dem aus Ellington mit dem R\u00fccken zum Publikum das ganze dirigiere. Auf Fotos und Filmausschnitten ist deutlich zu erkennen, dass Ellington der Blickkontakt m\u00f6glichst zur gesamten Band sehr wichtig war (vgl. Abbildung aus dem Hurricane, April 1943<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"536\" height=\"412\" src=\"https:\/\/wolframknauer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-206\" srcset=\"https:\/\/wolframknauer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/image.png 536w, https:\/\/wolframknauer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/image-300x231.png 300w, https:\/\/wolframknauer.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/image-16x12.png 16w\" sizes=\"auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>In der Literatur hei\u00dft es oft genug, Ellington habe zwar Klavier gespielt, sein eigentliches Instrument sei allerdings das Orchester gewesen. Diese Beschreibung korrespondiert zum Kompositionsverst\u00e4ndnis des Jazz. Das Orchester war auf eine Art und Weise die \u203aPartitur\u2039, mit der Ellington arbeitete, auf der er formale Entwicklungen, rhythmische Intensit\u00e4t, harmonische R\u00fcckungen, melodische faszinierende Linien erzeugen und festhalten konnte. Ein anderer Vergleich, mit dem Ellington immer wieder beschrieben wird, ist der des Klangmalers, dessen Palette an Klangfarben letzten Endes aus den individuellen Sounds seiner Orchestermusikern bestand und der diese Farben durch seine F\u00e4higkeit, sie ins Gesamtbild einzubinden, erh\u00f6hte. Bilder hinken, und doch fassen sie meist auch ein wenig den Kern des Tats\u00e4chlichen. Nichts war Ellington wichtiger, als sein Orchester selbst in wirtschaftlich schweren Zeiten am Laufen zu halten, einfach deshalb, weil er es tats\u00e4chlich zum Komponieren ben\u00f6tigte, weil er zwar im Kopf hatte, was er schreiben w\u00fcrde, der Kompositionsvorgang aber ohne das Erklingen des Notierten und die Korrektur anhand von Einw\u00fcrfen aus der Band oder der eigenen Erkenntnis, dass etwa eine Solo- oder Duopartie die Musik tats\u00e4chlich ganz anders beeinflusse als vorab gedacht, nicht beendet war. Der Kompositionsprozess war bei Ellington noch mehr als bei vielen anderen Musikern seiner Generation tats\u00e4chlich ein Prozess, das fertige Ergebnis ein laufend zu Korrigierendes, der Umgebung, in der es erklingen w\u00fcrde, Anzupassendes. Dieses Prozesshafte ist bereits in seinen fr\u00fchen Aufnahmen aus den 1920er Jahren erfahrbar, die er oft mehrmals einspielte, und die dabei immer wieder teilweise erhebliche \u00c4nderungen erfuhren. Manchmal waren Umbesetzungen in der Band der Grund daf\u00fcr, etwa, wenn ein Solist ausfiel und Ellington daraufhin das ihn betreffende Solo strich oder den Arrangement-Ablauf umstrukturierte. Andere \u00c4nderungen waren der ge\u00e4nderten Spielsituation geschuldet, also Revuetheater versus Aufnahmestudio versus Tanzveranstaltung versus Konzertsaal. Sie konnten \u00e4sthetische Entscheidungen sein, etwa wenn Ellington relativ simplen Arrangements \u00fcber die Jahre komplexere Strukturen verlieh. Oder sie konnten den Bed\u00fcrfnissen des Unterhaltungsgesch\u00e4fts geschuldet sein, wenn Ellington beispielsweise in sp\u00e4teren Jahren die Hits, die die Leute immer wieder h\u00f6ren wollten, in Medleys b\u00fcndelte, um die ungeliebte Aufgabe des \u203apopular demand\u2039 so geschickt abzuarbeiten. Die Vielfalt und Verkn\u00fcpfung all dieser Aufgaben wird etwa im Livemitschnitt einer Probe vom Juli 1965 in Juan-les-Pins, S\u00fcdfrankreich deutlich, bei der Ellington sein Orchester durch ein neues St\u00fcck leitet, den&nbsp;<em>Old Circus Train Turn-Around Blues<\/em>, und in engem Dialog mit den Musikern \u00c4nderungen einbaut, Teile streicht und andere hinzuf\u00fcgt<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>. Komponist, Compiler, Moderator, Dirigent \u2013 Ellington besitzt hier ganz unterschiedliche Rollen, und bei allen wissen die Musiker, welches ihre Aufgabe ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thad Jones \/ Mel Lewis Orchestra war 1965 vom Kornettisten Thad Jones und dem Schlagzeuger Mel Lewis gegr\u00fcndet worden und trat bis 1978 jeden Montagabend im kleinen New Yorker Village Vanguard auf. Der Montag wurde gew\u00e4hlt, weil an diesem Tag die Musiker, die in Broadway-Shows mitspielten, ihren freien Abend hatten. Jones schrieb die meisten der Arrangements, dazu kamen weitere St\u00fccke etwa von Bob Brookmeyer und anderen Bandmitgliedern. Jones&#8216; Umgang mit Voicings und dem Bigbandsound baute auf seinen eigenen Erfahrungen im Orchester Count Basies auf; im Jones \/ Lewis Orchestra aber konnte er auf j\u00fcngere, stilistisch modernere Solisten zur\u00fcckgreifen und eine Kompositionssprache entwickeln, die zeitgem\u00e4\u00df war, ohne den Bezug zur Tradition zu verlieren. F\u00fcr den\u00a0<em>swing<\/em>, den diese Band verk\u00f6rperte, war Mel Lewis mit von der Partie, einer der erfahrensten Bigband-Drummer des Jazz, der nicht nur die Rhythmusgruppe, sondern auch das Satzspiel und die Soli antreiben bzw. jeweils entsprechend begleiten konnte. Zum Gelingen der Interpretationen trugen allerdings auch Thad Jones&#8216; Dirigate bei, die dem schwerf\u00e4lligen Instrument Bigband eine ganz spezielle Art von K\u00f6rperlichkeit verliehen. Ein Video von 1968 zeigt die Band in\u00a0<em>Groove Merchant<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>. Jones z\u00e4hlt ein, hat ansonsten eigentlich nicht so viel zu tun, da die Rhythmusgruppe auch ohne ihn swingt. Ab und an gibt er perkussive Zeichen, ein herausgehobenes Klatschen, dann ein mit beiden Armen ausgef\u00fchrtes vorbereitendes Treiben, auf dass das Orchester gleich danach im richtigen Schwung einsetzt. Seine Aufgabe sind also keineswegs blo\u00df rhythmische Eins\u00e4tze, daneben ist er auch f\u00fcrs gemeinsame Einschwingen verantwortlich. Tats\u00e4chlich achtet die Band ziemlich deutlich auf diese Einschwinggesten Jones&#8216;: Seine perkussiven \u203ahandclaps\u2039, mal als rhythmisches Antreiben, mal als singul\u00e4re Akzente, werden von den Musikern akustisch wahrgenommen, seine ausholenden kr\u00e4ftigen Gesten auch aus den Augenwinkeln bemerkt. Die Band kam vielleicht nur einmal die Woche zusammen, jedoch kannten die Musiker das Repertoire nicht weniger gut als ihre Kollegen bei Basie oder Ellington. Im Video erkennt man ihre Konzentration auf den charismatischen Dirigenten Thad Jones und ihre Bereitschaft, jederzeit in seinem Sinne zu reagieren.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Thad Jones &amp; Mel Lewis - The Groove Merchant (1968)\" width=\"580\" height=\"435\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4ZLvqXFddu0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><figcaption class=\"wp-element-caption\">Thad Jones \/ Mel Lewis Orchestra, 1968: &#8222;Groove Merchant&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit 1985 hat Butch Morris ein Vokabular an Gesten entwickelt, die er zum Dirigieren improvisatorischer Verl\u00e4ufe benutzt. Ein Ausgangspunkt seiner Arbeit sind dabei die Musiker, die ihm die Ideen liefern. In Conduction-Sessions, die Morris vor seinem Tod regelm\u00e4\u00dfig im New Yorker Club Stone abhielt, lie\u00df er sich zuerst von den Musikern Ideen vorspielen, melodische Phrasen, Kl\u00e4nge, rhythmische Akzente, h\u00f6rte mit gro\u00dfen Ohren zu und identifizierte dann zusammen mit den Musikern das Grundvokabular des Abends. Er vergab Handzeichen f\u00fcr einzelne Phrasen, \u00fcbte die mit den Musikern so ein, dass sie auf Zeichen abrufbar waren<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>. Morris arbeitete mit Ensembles unterschiedlicher stilistischer Herkunft und stellte fest, dass ihre Musizierauffassung und damit auch ihre Reaktion auf sein Dirigat v\u00f6llig voneinander verschieden waren. W\u00e4hrend Morris anfangs noch mit kompositorischen Versatzst\u00fccken arbeitete, konnte er bald die Noten beiseitelegen. Er benutzte einen Taktstab oder nur die Hand, Zeigegesten mit ausgestreckter Hand oder Zeigefinger, und er war jederzeit bereit, sich auch auf die sich individuelle Auslegung der vereinbarten Interpretation einzulassen. Sein Konzept der Conduction ist, wie er es nennt, \u00bbein improvisiertes Duett f\u00fcr Ensemble und Dirigent\u00ab, bei dem beide laufend aufeinander reagieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Morris&#8216; aktiver Dialog mit dem zu dirigierenden Ensemble, f\u00fchrt mich zu einem Begriff, den ich in diesem aber auch vielen anderen der beschriebenen F\u00e4lle fast vorziehen w\u00fcrde. Letzten Endes geht es beim Dirigieren des Jazzensembles eben nur bedingt um eine \u203aleitende\u2039 Aufgabe. Rich DeRosa, seit 2014 Chefdirigent der WDR Big Band, vergleicht die Leitung eines Jazzensembles mit der Regief\u00fchrung im Theater: \u00bbDen Regisseur sieht man nicht, man nimmt ihn nicht mehr war. Die Arbeit ist getan.\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a>\u00a0Im Zusammenkommen von kompositorischen und improvisatorischen Passagen hat der Dirigent hier sehr oft eher eine moderierende Aufgabe. Er moderiert zwischen den Musikern, zwischen Musikern und Arrangement, zwischen Komposition und Improvisation, zwischen der Band und dem Publikum. Ellington, Basie, Woody Herman und andere Bandleader\u00a0<em>moderieren<\/em>\u00a0einen Schaffensprozess, der nur zum Teil bereits feststeht, zum anderen Teil aber bei jeder Auff\u00fchrung im Werden begriffen ist. Im Extremfall muss diese Moderationsaufgabe auf die Unw\u00e4gbarkeiten der improvisatorischen Gestaltung eines musikalischen Ablaufs R\u00fccksicht nehmen, auf Soli, die l\u00e4nger oder k\u00fcrzer ausfallen als geplant, auf spontane Begleitriffs, auf freiere Arrangementpassagen, die quasi im Kollektiv von der Band gestaltet werden etc. Das Dirigat im Jazz umfasst ein weitreichenderes Geben und Nehmen von Impulsen als dies in Dirigaten der Fall ist, bei denen der Dirigent erst einmal seine Vorstellung einer Interpretation vorgibt. Das Jazzdirigat ist im Idealfall eine weit weniger hierarchische Aufgabe als im klassischen Ensemble.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund dieser jazzhistorischen Einordnung der Ph\u00e4nomene Improvisation \/ Komposition \/ Arrangement \/ Dirigat sind die folgenden Gespr\u00e4che mit Dieter Glawischnig und Mathias R\u00fcegg zu lesen, die sich auf durchaus unterschiedliche Weise \u00fcber die Thematik \u00e4u\u00dfern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; &#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fragen an Dieter Glawischnig<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn13\"><sup><strong>[13]<\/strong><\/sup><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieter Glawischnig hat seit den fr\u00fchen 1960er Jahren als Pianist, Komponist (und zeitweise auch als Posaunist, als solcher etwa im \u00f6sterreichischen Rundfunkorchester) Jazz gemacht. Er studierte sein Instrument, daneben aber auch Dirigieren und Musikwissenschaft, arbeitete u.a. als Korrepetitor an der Oper Graz, und leitete zwischen 1968 und 1975 die Jazzabteilung der Musikhochschule Graz. Seit 1973 nahm er immer wieder Gastdirigate beim NDR wahr, anfangs in der damaligen NDR-Studioband, die 1980 zur NDR Bigband erweitert wurde, und blieb Chefdirigent dieses Ensembles , bis er 2008 in den Ruhestand ging. Daneben spielte er freie Musik mit kompositorischem Ansatz im Quartett The Neighbours, zu dem er auch immer wieder internationale Solisten aus dem Kreis der freien improvisierten Musik einlud, von Fred Anderson und Anthony Braxton bis zu Albert Mangelsdorff und John Surman. In der NDR Bigband war er auf der einen Seite f\u00fcr das gesamte Programm verantwortlich, das er in enger Absprache und auf im Auftrag Wolfgang Kunerts entwickelte, der die Jazzredaktion beim NDR leitete. F\u00fcr seine eigenen Projekte hatte er dabei recht gro\u00dfe Freiheiten. Glawischnig lebt in der N\u00e4he von Graz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Komposition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wolfram Knauer:&nbsp;<\/em><\/strong><em>Wenn Du an eine Komposition f\u00fcr gro\u00dfes Ensemble herangehst, welchen Einfluss macht das Wissen um die \u203azur Verf\u00fcgung stehende\u2039 Instrumentation und die personelle Besetzung auf den Kompositionsprozess? Kannst Du mir Beispiele daf\u00fcr nennen, wo eine konkrete Besetzung zu Kompositionsentscheidungen gef\u00fchrt hat, ob positiv (\u00bbDa habe ich ja eh dieses oder jenes Klangmaterial zur Verf\u00fcgung, lass mich das mal ausprobieren\u00ab) oder negativ (\u00bbDas wird zu kompliziert, daf\u00fcr m\u00fcssten wir Instrumentalisten &#8218;von au\u00dfen&#8216; einkaufen\u00ab)?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dieter Glawischnig:&nbsp;<\/strong>Ich habe immer nur f\u00fcr \u203ameine\u2039 NDR Bigband komponiert (ganz wenig arrangiert, hat mich nicht interessiert, wir hatten auch f\u00fcr diese Sparte sehr gute Leute). Es waren Auftragsarbeiten meiner Redaktion, besser gesagt von Wolfgang Kunert). Als mich Kunert 1973 zum ersten Mal als Gastdirigent einlud, habe ich verschiedene \u203aStilistiken\u2039 angeboten: ein Pattern-St\u00fcck, ein sehr freies, ein eher traditionelles, da ich damals nichts \u00fcber das RTUO [Radio Tanz- und Unterhaltungsorchester] wusste. (Alles war OK, bis auf das \u203afreie St\u00fcck\u2039, das gefiel mir nicht, die meisten Mitglieder der Band konnten damit nichts anfangen; damals waren die \u203aJazzer\u2039 in der Band Herb Geller, Wolfgang Schl\u00fcter, Lucas Lindholm und Kurt Giese). Und f\u00fcr meine erste gr\u00f6\u00dfere Arbeit f\u00fcr des Hamburg Jazzfestival 1982 hatte ich die NDR BB f\u00fcr meinen ersten \u203aOpernakt\u2039 mit Texten von Ernst Jandl (<em>Laut und Luise<\/em>) zur Verf\u00fcgung, plus zwei Solisten: Manfred Schoof, Gerd Dudek. Diese Konstellation hatte ich immer im Ohr! (\u00dcbrigens: Kunert hatte meine Programme im Trio mit Jandl geh\u00f6rt, und er hat mich dann animiert, ein solches Programm f\u00fcr unsere Band zu schreiben.) Auch f\u00fcr meine weiteren Projekte\/Kompositionen f\u00fcr die NDR BB sah ich immer die ganze Band vor mir sitzen, dazu die eigeladenen Solisten (f\u00fcr Jandl II&nbsp;<em>Aus der K\u00fcrze des Lebens<\/em>&nbsp;Christof Lauer, Manfred Schoof, die Bauer-Brothers). Ich habe nur geschrieben, wenn es aufgef\u00fchrt werden konnte! Eine gr\u00f6\u00dfere Jazz-Komposition \u203ain der Schublade\u2039 (wie in \u203ader Klassik\u2039 oft geschehen), die dann irgendwann als gro\u00dfes als Meisterwerk zu Tage tritt, halte ich nicht f\u00fcr realistisch (Odrrrrr?)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast ja innerhalb einer b\u00fcrokratischen Struktur gearbeitet (Klangk\u00f6rper einer Rundfunkanstalt). Inwieweit hattest Du in diesem Komplex kompositorische Freiheiten bzw. inwieweit hat Dich diese Art der Struktur vielleicht auch gehindert in der Realisation kompositorischer Ideen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie schon angedeutet, hatte ich f\u00fcr meine eigenen Projekte alle Freiheiten der Redaktion (= Kunert) und des Leiters der Unterhaltungsabteilung des NDR. Ein Projekt, das mir sehr wichtig gewesen w\u00e4re, konnte ich leider nicht realisieren: Ich kam in Hamburg mit Thomas Ebermann und Rainer Trampert in Kontakt und die beiden entwickelten ein Libretto, das mir und Kunert sehr gefiel, aber der damalige (uns im Prinzip eh wohlgesonnene) Abteilungsleiter hielt die Sache damals wohl f\u00fcr \u203azu links\u2039.<\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr Deine Arbeit spielte immer wieder motivische und formale Bindung (\u203aFreiheit in der Beschr\u00e4nkung\u2039) auch innerhalb freier Improvisationspartien eine wichtige Rolle. Zum 60sten Geburtstag w\u00fcnschtest Du Dir damals, \u00bbdas Cercle-Konzept auf gro\u00dfes Orchester zu \u00fcbertragen\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn14\"><sup><strong>[14]<\/strong><\/sup><\/a>. Wie hattest Du Dir das vorgestellt? Wie kannst Du so etwas in der Arbeit f\u00fcr gr\u00f6\u00dferes Ensemble sicherstellen? Welchen Einfluss hast Du als Komponist auf den Verlauf l\u00e4ngerer Improvisationspartien? Wann ist Dir solch ein Einfluss wichtiger, wann weniger wichtig?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzept F.i.d.B. kann auch f\u00fcr gro\u00dfe Ensembles gelten: Der Komponist kann sich innerhalb eines von ihm selbst abgesteckten Rahmens bewegen, bei allen \u203aAuswuchsm\u00f6glichkeiten\u2039 aus der \u203aKeimzelle\u2039, und die Solisten machen mit; wenn ich das Gespielte der Solisten f\u00fcr v\u00f6llig unpassend hielte, w\u00fcrde ich versuchen, ins Gespr\u00e4ch mit ihnen zu kommen; wobei immer noch die gro\u00dfe Chance f\u00fcr mich best\u00fcnde, durch die \u00fcberzeugenden, wenn auch andersartigen Improvisationen eine Bereicherung meiner Ideen zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast in der Beschreibung Deiner Arbeit einmal von der \u00bbErfindung stets neuer Spielregeln als Basis f\u00fcr den Verlauf des jeweiligen St\u00fccks\u00ab gesprochen<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn15\"><sup><strong>[15]<\/strong><\/sup><\/a>. Was genau meintest Du damit? Bzw. trifft es eventuell das, was Werner Burkhardt meinte, als er davon sprach, Du h\u00e4ttest in&nbsp;<\/em>Die dunkle Seite des W\u00fcrfels<em>&nbsp;dem Jazz die Freiheit gelassen, &#8222;ohne die Strenge und die Genauigkeit der Komposition zu gef\u00e4hrden\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn16\"><sup><strong>[16]<\/strong><\/sup><\/a>?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df ja nicht, was mein sehr gesch\u00e4tzter Kollege in Hamburg mit seinem sch\u00f6nen Satz genau ausdr\u00fccken wollte. Ich denke, er meinte, dass die Soli den komponierten Teil nicht \u00fcberwuchert haben und dass die dem Text folgende Improvisation die formale und inhaltliche Anlage und Aussage der Sache nie gef\u00e4hrdet, sondern unterst\u00fctzt hat; ich stimme ihm zu, so war es geplant.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In kleinen Besetzungen hast Du durchaus auch mit einer Art von Head-Arrangements gearbeitet, die Euch die M\u00f6glichkeit gab, freier mit den motivischen Vokalen zu agieren. Inwieweit ist so etwas auf gr\u00f6\u00dfere Ensembles \u00fcbertragbar?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der letzten Zeit kommen wieder improvisierende Gro\u00dfensembles in Schwung (in Mode), zumindest in \u00d6sterreich. Es ist nat\u00fcrlich angebracht, den Verlauf der Musik sagen wir \u00fcber 50 Minuten \u203aim Groben\u2039 zu planen: volle Besetzung, kleinere Gruppen, laut-leise; Ausdruckscharaktere (sparsam\/fast nichts, kr\u00e4ftig volumin\u00f6s, etc.), Register hoch \/ tief, usw., usw. Dazu braucht es einen \u203aDirigenten\u2039, der gestische Anweisungen gibt: jetzt die 3 Spieler, dann die 4, dann alle zusammen glissando hinauf, dann alle staccatissimo decrescendo, etc. etc. (z.B. Butch Morris hat ja f\u00fcr sich ein eigenes Vokabular entwickelt). Und derartige Gruppen gelten als \u203aImpro\u2039-Gruppen; aber: die Mitglieder der Band spielen immer nur, wenn \u203ader Dirigent\u2039 eine Anweisung gibt! Free? Wenn schon \u203afree\u2039, dann wirklich free dem Geschehen des Augenblicks folgen, etwas dazu beitragen, entwickeln, \u203aKettenassoziationen\u2039, oder auch Kontraste einbringen, etc.; ein derartiges Dialogisieren interessiert mich als Spieler immer noch am meisten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Arbeit mit Texten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast viel mit Texten gearbeitet (Ernst Jandl, Gunter Falk). Texte sind ja eine ganz andere Art der Komposition: Sprache ist dabei zuerst einmal scheinbar funktionaler (Subjekt, Pr\u00e4dikat, Objekt&#8230;). Welche Freiheiten hattest Du gerade auch in der engen Zusammenarbeit mit den Autoren? Und welche Begrenzungen sind die Vorgaben von Gedichten \/ Texten \u2013 das ist ja noch etwas anderes als Libretti&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte keinerlei Begrenzungen. Ich habe mir f\u00fcr die ersten beiden Jandl-Kompositionen Texte ausgesucht die mich begeistert hatten, die wir im Trio (mit NEIGHBOURS) schon gespielt hatten. Mit einigen Erg\u00e4nzungen hat der Meister zugestimmt, auch meiner Gliederung der formalen Anlage in bestimmte Themenbereiche (Zur Kunst des Dichtens, Sozialisation, Krieg, Tiere, Menschliches, Gott, u.a.), wobei mein Anliegen war, Jandl in seiner ganzen inhaltlichen F\u00fclle einzubringen; mich hat immer ge\u00e4rgert, dass Ernst von vielen Menschen nur als \u203askurriler Witzbold\u2039 gekannt wurde. F\u00fcr das dritte Jandl-St\u00fcck&nbsp;<em>Jedes Ich Nackt<\/em>, posthum mit dem gro\u00dfartigen Dietmar Mues f\u00fcr den NDR produziert, hab ich mir die Texte v.a. aus seinen&nbsp;<em>Letzten Gedichten<\/em>&nbsp;zusammengesucht. Und auch&nbsp;<em>Die dunkle Seite des W\u00fcrfels<\/em>&nbsp;entstand posthum. Allerdings hatte ich mit dem Autor Gunter Falk einige gemeinsame Auftritte mit unserem Trio Neighbours absolviert, ich meinte also zu wissen, worauf es ihm ankam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bigband<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die NDR Bigband hatte ja ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche: von der Pr\u00e4sentation anspruchsvoller aktueller Bigbandmusik bis hin zu Begleitung popul\u00e4rer S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger. Sie hat \u00fcber die Jahre unter Deiner Leitung eine Wandlung durchgemacht vom Tanz- und Unterhaltungs- zu einer Art Solistenorchester. Deine Funktion als Bigbandleiter beinhaltete sowohl das eine oder andere Arrangement in all diesen Bereichen (als Arrangeur), die Planung und Durchf\u00fchrung origin\u00e4rer Ideen und Werke (als Komponist oder Auftraggeber von Kompositionen) und die Umsetzung all dessen in Leitungsfunktion (als Dirigent, Bigbandleiter). Kannst Du die verschiedenen Funktionen (habe ich da noch eine vergessen?) beschreiben und ihre gegenseitigen Einfl\u00fcsse \/ Abgrenzungen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich (Chef)Dirigent der NDR Bigband wurde, 1980, war das Orchester wie beschrieben sehr \u203amultifunktionell\u2039 eingesetzt. F\u00fcr mich war die Erfahrung mit einer Rundfunkband sehr spannend. Ich war ja an der Grazer Musikhochschule Professor f\u00fcr Jazztheorie, im Trio Neighbours weltweit unterwegs, und bekam dann von meiner Hochschule ein Karenzjahr f\u00fcr 1980 bewilligt. Als der NDR dann meinen Vertrag f\u00fcr 1981 verl\u00e4ngern wollte, war ein zweites Karenzjahr nicht m\u00f6glich. Also machte ich beides (Unterricht in Absprache mit dem Grazer Kollegium und den Studierenden jeweils Samstag und Sonntag). Als dann der Pr\u00e4sident der Hamburger Musikhochschule Hermann Rauhe eine schon lange geplante Jazzprofessur einrichten konnte, hab ich mich beworben, die Stelle bekommen, und ab dem Jahr 1982 meine Grazer Zelte abgebrochen. Die Einrichtung der Jazzabteilung an der Hamburger Hochschule war aus finanzieller Sicht nur m\u00f6glich, weil wichtige Positionen mit Lehrauftr\u00e4gen an Musiker in der NDR BB vergeben werden konnten. Die Planung und Ausf\u00fchrung der Aktivit\u00e4ten der Jazzredaktion, lag vor allem bei Wolfgang Kunert. Nat\u00fcrlich haben wir uns immer abgesprochen \u00fcber das kommende \u203aProgramm\u2039, wer eingeladen werden sollte, wer \u203agewichtig\u2039 in der Szene war; auch W\u00fcnsche\/Anregungen aus dem Orchester wurden gerne aufgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie wichtig war f\u00fcr Dich die \u00bbPersonalunion von Komponist, Arrangeur, Konzeptor, Improvisator und Leiter &#8218;mitten drin&#8217;\u00ab<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn17\"><sup><strong>[17]<\/strong><\/sup><\/a>, die Du einmal als Ideal f\u00fcr die Realisation einer Third-Stream-Komposition bezeichnet hast, in Deiner Funktion in der Bigband?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich hat diese vielschichtige Personalunion gepasst, nicht nur f\u00fcr die Realisation einer Third-Stream-Komposition. Die Hochschule war froh, einen Jazz-Professor \u203aaus der Praxis zu bekommen\u2039, noch dazu wo er auch eine musikwissenschaftliche Qualifikation, ein klassisches Klavierdiplom und ein Kapellmeisterdiplom mitbrachte, der NDR war froh, einen Leiter, der auch ein eigenes k\u00fcnstlerisches Profil aufzuweisen hatte, gewonnen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast immer wieder herausgehoben, dass Du Dich als Leiter der NDR Bigband als&nbsp;<\/em>\u203a<em>primus inter pares<\/em>\u2039<em>&nbsp;verstanden hast. Ist das aus Deiner Kenntnis heraus ein spezifisch europ\u00e4ischer Ansatz der Orchesterleitung? (Wo es in den USA ja deutlich klarer den&nbsp;<\/em>\u203a<em>Chef<\/em>\u2039<em>&nbsp;gibt?) Und funktioniert so etwas wirklich? Bzw.: Wann und wo funktioniert es eventuell nicht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ob das ein spezifisch europ\u00e4ischer Ansatz ist, wei\u00df ich nicht. Ich habe zu wenig Erfahrung diesbez\u00fcglich, und wei\u00df nur (relata refero), dass der Leiter der seinerzeitigen ORF-BB und auch derjenige des sehr erfolgreichen Vienna Art Orchestra meinem Ideal von Kommunikation nicht gefolgt sind. Und in den USA kenne ich pers\u00f6nlich nur die Arbeit meines hochverehrten Kollegen Herb Pomeroy am Berklee College, der wollte nicht Chef sein, aber er war es, als \u203aprimus inter pares\u2039.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dirigat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der klassische Ansatz ans Dirigieren geht ja quasi vom Gro\u00dfen ins Kleine: Formanalyse, Harmonik, Stimmf\u00fchrung, bis hin zur Motivik, Phrasierung usw. Inwieweit sieht das beim Jazz anders aus?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Hinsicht sieht es bei uns \u00e4hnlich aus: In den Partituren, so diese traditionell notierte Kompositionen sind und nicht nur \u203aSpielanweisungen\u2039 verbaler oder auch graphischer Natur, steht ja immer alles drin, was f\u00fcr die Interpretation wichtig ist, oder sollte es zumindest. Im Unterschied zu den Ausf\u00fchrenden hat der \u203aDirigent\u2039 den Vorteil, die Partitur zu kennen, und kann dadurch helfend, manchmal auch lenkend eingreifen. Wichtig ist die Ausarbeitung einer korrekten Phrasierung (Artikulation) entsprechend der rhythmischen Absicht des\/der Komponisten\/in oder des Arrangeurs\/ der Arrangeurin (triplets\/Triolen-off beat oder even eights): f\u00fcr professionelle Orchester eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit (aber immer wieder mal muss doch ein bisschen \u203anachgebessert\u2039 werden); weiters Beachtung der Gesamtdynamik des St\u00fcckes, der dynamischen Balance innerhalb der Satzgruppen und im \u203aTutti\u2039. Auf Selbstverst\u00e4ndlichkeiten wie \u203aStimmen\u2039 der Instrumente vor Spielbeginn, \u203aVorz\u00e4hlen\u2039 im richtigen Tempo (vom Komponisten meist mit Metronomzahl vorgeschlagen) etc. will ich hier nicht eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie unterscheidet sich f\u00fcr Dich die M\u00f6glichkeit des&nbsp;<\/em>\u203a<em>Eingreifens<\/em>\u2039<em>, des&nbsp;<\/em>\u203a<em>Lenkens<\/em>\u2039<em>&nbsp;vom Klavier aus von der klassischen Dirigierposition vor dem Orchester?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Soweit es mich betrifft, muss ich sagen, dass ich fast immer nur bei meinen eigenen St\u00fccken, meist nach Texten, am Klavier sitze, und dass die St\u00fccke ausgiebig geprobt werden konnten, so dass sich \u203aDirigieren\u2039 fast immer er\u00fcbrigt und auf gewisse \u203aCues\u2039 beschr\u00e4nkt. Bei Klavierkonzerten im Bereich der Klassik (Mozart &#8230;) ist es ja \u00e4hnlich: Die Musik wird gut geprobt und hat meist einen durchgehenden Rhythmus, der Pianist, oft ein internationaler \u203aStar\u2039, sitzt vor dem Orchester, wirft gelegentlich einen freundlichen Blick zum Konzertmeister, und kann sich darauf verlassen, dass alles bestens funktioniert. Und genau so war es auch mit Count Basie oder Duke Ellington, die waren ja oft monate-\/jahrelang mit einem Programm unterwegs!<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u203aDirigieren\u2039 vor der Band wurde durch die Arbeit der vielen Rundfunk-, Revue-, Musical- und auch Film-Orchester mit w\u00f6chentlich oder auch t\u00e4glich wechselndem Programm notwendig. Konfrontiert mit immer neuer Musik (leider meist nicht Neuer Musik) musste jemand den ganzen Laden zusammenhalten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hast Du f\u00fcrs Dirigieren des Orchesters eine eigene Dirigiersprache gesucht \/ gefunden \/ mit Deinen Musikern verabredet? Du hast ja urspr\u00fcnglich auch Dirigieren studiert; was hast Du aus dem klassischen Dirigierstudium mitgenommen f\u00fcr die Arbeit mit gro\u00dfem Jazzensemble?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Dirigierstudium, das ich sogar mit dem \u203aKapellmeisterdiplom\u2039, so hie\u00df es, an der Grazer Musikakademie (heute Universit\u00e4t) abgeschlossen habe, hat mir schon geholfen, eine sogenannte gute \u203aSchlagtechnik\u2039 ist schon brauchbar bei rhythmisch komplexer Musik (Takt\/Tempo-Wechsel, Rubati, Fermaten, Kombination unregelm\u00e4\u00dfiger Rhythmen, Kontraste \u203aim Ausdruck\u2039, etc.). \u203aJazzspezifische Zeichen\u2039 sind z.B. das Einz\u00e4hlen (Tempovorgeben) \u203ain time\u2039, das Anzeigen von Wiederholungen bestimmter Passagen, eine einladende aber unauff\u00e4llige Geste f\u00fcr den n\u00e4chsten Solisten, Cues f\u00fcr die Band nach Beendigung des Solos; aber auch hier zeigt der Solist oft selbst an, wann es weiter gehen soll. Jeder Leiter hat nat\u00fcrlich eine eigene K\u00f6rpersprache und pers\u00f6nliche Ausstrahlung entwickelt. Mehr f\u00e4llt mir jetzt als Unterschied zu einem klassischen Dirigat nicht ein. Eine Anmerkung nebenbei: Viele \u203aAmateur-Dirigenten\u2039 (und nicht nur diese), die mal vor einer professionellen Bigband stehen \u203ad\u00fcrfen\u2039, fuchteln meist viel zu viel herum, besonders das gestische Durchschlagen eines 4\/4-Taktes z.B. nervt alle Spieler, vor allem die Rhythmusgruppe leidet. Es kann aber auch Passagen in einem sehr, sehr schnellen Tempo geben, vielleicht auch mit komplexen, gegenl\u00e4ufigen polyrhythmischen Eins\u00e4tzen der Gruppen, bei denen auch die versiertesten Musiker nicht unfroh \u00fcber klare simple 1-3-1-3 Zeichen sind!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast Dich einmal als&nbsp;<\/em>\u203a<em>Probenleiter<\/em>\u2039<em>&nbsp;bezeichnet<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn18\"><sup><strong>[18]<\/strong><\/sup><\/a>&nbsp;und dazu gesagt:&nbsp;<\/em>\u00bb<em>Zum Dirigieren gibt es bei der Big Band fast nichts<\/em>\u00ab<em>&#8230; Wie wichtig ist das Proben zum Schaffen von Freiheiten bei der tats\u00e4chlichen Realisierung von Musik (insbesondere bei Bigbands)?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist die Probenarbeit das Wichtigste! Bei BB-Kompositionen\/Arrangements ist die Absicht der Sch\u00f6pfer in der Partitur ablesbar, der Dirigent hat die Aufgabe, diese Ideen\/Vorgaben mit den Spielern umzusetzen! \u203aFreiheiten\u2039 gelten f\u00fcr die Gestaltung der Soli, und f\u00fcr die improvisatorische Arbeit der ganzen Rhythmusgruppe, die Bl\u00e4ser der Satzgruppen sind notgedrungen \u203aNotenknechte\u2039.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In Deiner Zusammenarbeit mit Sprechern kommt Dir ja auch als&nbsp;<\/em>\u203a<em>Dirigent&#8220; eine noch andere Aufgabe zu: Du gibst quasi die&nbsp;<\/em>C<em>ues f\u00fcr die nicht rhythmisch festgelegten Texte, die ja in der Regel recht frei gesprochen werden. Kannst Du \u00fcber die Probleme dieses Teils Deiner Zusammenarbeit mit Sprechern berichten? Geht es da um ein&nbsp;<\/em>\u203a<em>schneller<\/em>\u2039<em>,&nbsp;<\/em>\u203a<em>langsamer<\/em>\u2039<em>,&nbsp;<\/em>\u203a<em>mehr Pausen<\/em>\u2039<em>&nbsp;\u2013 musst Du den musikalischen Verlauf gegebenenfalls anpassen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Texte, die ich mir ausgesucht und dann in Abstimmung mit Jandl, Dietmar Mues und Henning Venske \u203avertont\u2039 habe \u2013 mit Gunter Falk war das nicht mehr m\u00f6glich,&nbsp;<em>Die dunkle Seite des W\u00fcrfels<\/em>&nbsp;entstand posthum als \u203ahommage\u2039 f\u00fcr den Steirischen Herbst 1986 \u2013 habe ich auf verschiedene Weise verwendet: Text solo ohne Musik, da ist der Sprecher v\u00f6llig frei in seiner Interpretation \u2013 ich wusste nat\u00fcrlich wie die Dichter \u203avortrugen\u2039 und habe diese solistischen Passagen im dramaturgischen Ablauf der Komposition wirkungsvoll einzusetzen versucht.. Einige Texte waren ganz genau \u203aim Takt\u2039 notiert, dem Sprechrhythmus folgend, was Jandl anf\u00e4nglich verzweifeln lie\u00df; in f\u00fcr ihn \u00bbharter Probenarbeit\u00ab , wie er sich ausdr\u00fcckte, gelang dann eine von mir vorgesehene pr\u00e4zise Ausf\u00fchrung. Textpassagen, die ich in einen \u203afreieren, improvisatorischen\u2039 Zusammenhang gestellt hatte, entweder im Dialog Sprecher mit Solist(en) oder auch mit gemischt besetzten kleineren Gruppe, mussten nat\u00fcrlich gemeinsam erarbeitet werden, in Abstimmung aller eingesetzten musikalischen Parameter mit der Textvorlage, bei gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher \u203aFreiheit\u2039 der Beteiligten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es ein Zur\u00fcck vom Dirigieren ins Komponieren? Kommt es also vor, dass Du erst im Leiten der Band merkst, das stimmt so nicht, oder: Das w\u00e4re anders besser?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Ich \u00fcberlege immer lange, \u203atrage meine Ideen\/Skizzen mit mir herum\u2039 \u2013 das macht wohl jeder \u203akreative K\u00fcnstler\u2039 so \u2013 und dann bin ich irgendwann sicher, wie es sein muss (gelegentlich auch aus Zeitnot), und dann ist das Verfassen der Partitur eine notwendige Pflicht\u00fcbung. Was nicht ausschlie\u00dft, dass ich beim Anh\u00f6ren \u00e4lterer Musik von\/mit mir (BB-Kompositionen, Aufnahmen in den Trios, im Duo, Solo) nicht auch denke: Es h\u00e4tte eigentlich auch ganz anders ablaufen k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie ist generell es mit dem Feedback der Musiker: bei Dir, bei anderen Arrangeuren\/Dirigenten der Bigband: Ist das ein Geben \/ Nehmen? Oder auch ein geh\u00f6riger Frust auf der einen oder anderen Seite?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Kompositionen, von anderen oder von mir, von den Band-Mitgliedern goutiert werden, dann wird immer konzentriert und gern gearbeitet, also ein Geben und Nehmen im Sinn der Frage. In meiner ersten Zeit als \u203aChefdirigent\u2039 \u2013 na ja, da das Sinfonieorchester immer schon einen solchen hatte, hatten wir dann ebenfalls einen solchen \u2013 kam schon gelegentlich gemeinsamer Frust auf, wenn wir, damals noch als \u203aRadio Tanz- und Unterhaltungsorchester\u2039 (RTUO), allzu d\u00fcrftige Tanzmusik spielen oder Schlagersternchen begleiten \u203amussten\u2039. In unserer \u203aSolistenband\u2039, wie sie etwas sp\u00e4ter immer wieder mit Recht bezeichnet wurde, konnte umgekehrt folgendes passieren: Wir waren ja bekannt f\u00fcr unsere zeitgen\u00f6ssischen \u203aavantgardistischen\u2039 Programme; wenn aber ein eingeladener Arrangeur allzu bem\u00fcht war, \u203amoderne\u2039 Satztechniken ohne tieferen musikalischen Sinnzusammenhang (you know what I mean) zusammen zu stoppeln, dann wurden diese oft technisch schwierigen St\u00fccke als unmusikalisch, als konstruiert empfunden und mit Unlust, aber \u203aprofessionell\u2039 heruntergespielt (Dienst ist Dienst, wie es so sch\u00f6n hie\u00df)&#8230; \u2013 aber das kam nicht allzu oft vor.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr habt ja seinerzeit auch Braxtons vertrackte Partituren aufgef\u00fchrt. Welche Schwierigkeiten bedeutete das f\u00fcr Dich als&nbsp;<\/em>\u203a<em>Dirigent<\/em>\u2039<em>des Ganzen und wie hast Du davor und w\u00e4hrenddessen mit Braxton kommuniziert?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1980 haben wir mit unserem Grazer Trio NEIGHBOURS auf einigen Festivals mit Braxton gespielt, auch eine LP mit ihm aufgenommen, wir waren gut befreundet. Als ich dann sp\u00e4ter das NDR-Orchester leiten konnte \u2013 das RTUO hatte auf Betreiben seines Redakteurs Wolfgang Kunert, der mich nach Hamburg geholt hatte, auch vor meiner Zeit gelegentlich Jazz spielen \u203ad\u00fcrfen\u2039 und hie\u00df dann NDR STUDIOBAND \u2013, haben wir Braxton eingeladen, wohl wissend was auf die Musiker zu kam. Anthony spielte selbst im Saxophonsatz mit, was wichtig war: Eine schwierige, rhythmisch komplexe l\u00e4ngere Passage galt f\u00fcr die Kollegen als unspielbar; erst als Braxton das Ding locker (mit gespielter Harmlosigkeit) herunterspielte, wurden die Sax-Kollegen vom Ehrgeiz gepackt, und am Konzerttag in der Hamburger Fabrik geb\u00fchrend gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welchen Einfluss kannst Du als Dirigent nehmen, um eine dem Motivischen verpflichtete Improvisation zu bef\u00f6rdern (so Du das \u00fcberhaupt willst)?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, jede gute Jazzimprovisation ist irgendwie motivisch, darauf hat auch Ekkehard Jost mit dem Begriff der \u203amotivischen Kettenassoziation\u2039 bei Ornette hingewiesen<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a>. Jeder Improvisator hat sich ja sein eigenes Vokabular ansozialisiert, angeeignet, ange\u00fcbt, einge\u00fcbt. Aufgrund dieser prinzipiellen F\u00e4higkeit wird es Improvisator\/innen kaum schwer fallen, mit einem jeweils vorgegebenen Material in einem gr\u00f6\u00dferen kompositorischen Rahmen sinnvoll umzugehen. Wenn jeder Motivationsversuch versagt, dann besteht in einem gr\u00f6\u00dferen Klangk\u00f6rper die Chance, den\/die Solistin\/en zu wechseln. In kleinerer intimer Besetzung besteht diese \u203aGefahr\u2039 wohl kaum, da sich ja nur Spieler mit derselben musikalischen Wellenl\u00e4nge zusammen finden werden, die entweder wirklich \u203afrei\u2039 improvisieren, oder sich gern auf sinnvolle Vorgaben\/Anregungen einigen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ist der Dirigent im Falle einer gro\u00dfen Besetzung tats\u00e4chlich eine Art&nbsp;<\/em>\u203a<em>Moderator<\/em>\u2039<em>&nbsp;zwischen den kompositorischen und den improvisierten Partien der St\u00fccke? Oder empfindest Du das ganz anders&#8230;?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u203aModerator\u2039 erscheint mir als unangebracht, weil missverst\u00e4ndlich, weil dieser Begriff v.a. durch das TV so besetzt ist. Wenn ein BB-Arrangement, wenn instrumentaltechnisch schwierig, lange geprobt wird, so hat das mit Moderation nichts zu tun. Der Leiter probt so lange, bis alles stimmt, wie es in der Partitur steht. Und auf die improvisierten Passagen st\u00fcrzen sich eh meist mehrere daf\u00fcr in ihrer stiistischen Haltung pr\u00e4destinierte Kollegen. Den Begriff \u203aModeration\u2039 w\u00fcrde ich nur verwenden f\u00fcr \u203atats\u00e4chliches Moderieren\u2039, f\u00fcr die der Dirigent\/Leiter bei \u00f6ffentlichen Auftritten des Orchesters zust\u00e4ndig ist: Vorstellung der Band, Ansage der St\u00fccke, Nennung der jeweiligen Solisten, allgemeine Bemerkungen zum Programm, Lob des Veranstalters etc. (Nur nebenbei: Meine Ansagen kamen immer sehr gut beim Publikum und auch beim Orchester an, weil mein \u00f6sterreichischer Dialekt soo \u203acharmant\u2039 r\u00fcber kam; au\u00dferdem waren sie so sachlich wie m\u00f6glich).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hat sich in Deiner Zeit mit der NDR-Bigband etwas ge\u00e4ndert in Deiner Herangehensweise ans Dirigieren? Gab es Zeiten, wo Du zu viel \/ zu wenig dirigiert hast? Wie sieht es mit unterschiedlichen Klangk\u00f6rpern aus? Bedarf es jeweils einer Einf\u00fchrung ins pers\u00f6nliche Dirigiervokabular?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, meine pers\u00f6nliche Art des Leitens einer Bigband hat sich \u00fcber die Jahre nicht sehr ver\u00e4ndert. (Diese Frage m\u00fcssten eigentlich die Musiker in der Band beantworten). Im Partiturlesen bin ich geschwinder geworden, und in der \u00e4sthetischen Einsch\u00e4tzung des jeweiligen Materials viel kritischer.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast ja auch Erfahrungen au\u00dferhalb des Jazzkontextes. Wie unterscheidet sich die Aufgabe, wenn Du die Dir bekannte NDR Bigband, ein anderes Jazzensemble, einen Chor oder ein Ensemble mit Musikern dirigierst, die vor allem klassische Spielerfahrung besitzen? In der Reaktion? In der Kommunikation? In den Anforderungen, die die Musiker an Dich \u2013 als Komponisten, als Arrangeur, aber auch als Dirigenten \u2013 stellen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jazzbereich hatte ich bisher die WDR Bigband und einige Hochschul-Bigbands und Landesjugendjazzorchester leiten k\u00f6nnen, die Arbeit als \u203aDirigent\u2039 ist jeweils \u00e4hnlich. Dass mit einer so notensicheren Band wie der des WDR fast alles wie von selbst geht, ist wohl klar: in den 80ern wurde ich f\u00fcr ein Konzert zum 100. Geburtstag von Strawinsky eingeladen, das&nbsp;<em>Ebony Concerto<\/em>&nbsp;wurde gespielt, und unser Herb Geller hatte einige Woody Herman St\u00fccke neu arrangiert; und vor kurzem hatte ich die Freude, im Rahmen eines \u203aLegenden (?) -Konzerts\u2039 in G\u00fctersloh einen kurzen Ausschnitt aus einem meiner Jandl-St\u00fccke spielen zu k\u00f6nnen, mit Wanja Mues als Sprecher. Dass mit Jugend-und Hochschulorchestern, also angehenden Profis, mehr im Detail an allen \u203abasics\u2039 gearbeitet werden muss, ist auch klar. Eine besondere Erfahrung f\u00fcr mich war immer die Arbeit mit klassischen Orchestern im Jazzkontext: Im Rahmen des NDR machten wir zahlreiche Produktionen mit dem Rundfunkorchester Hannover plus Jazzsolisten, als bekanntestes Beispiel die Urauff\u00fchrung von Wolfgang Dauners&nbsp;<em>Urschrei<\/em>&nbsp;beim Jazzfestival Berlin 1976. Das Problem mit klassischen Orchestern ist, dass diese in kurzer Zeit kaum zum Swingen gebracht werden k\u00f6nnen, sollte das der Komponist beabsichtigt haben. Das gilt f\u00fcr europ\u00e4ische Orchester, soweit ich das beurteilen kann; die USA-Orchester k\u00f6nnen das aufgrund ihrer musikalischen Sozialisation auch im Jazzbereich meist ohne Problem. Mit dem Sinfonieorchester in Oldenburg und vor allem mit dem gro\u00dfartigen SO des NDR in Hamburg konnte ich Liebermanns&nbsp;<em>Concerto<\/em>&nbsp;auff\u00fchren, wobei ein ziemlicher \u203aSchwung\u2039 erreicht werden konnte. Bei diesen Orchestern war schon ein \u203aklassisches Dirigierverst\u00e4ndnis\u2039 Voraussetzung f\u00fcr eine Akzeptanz des Leiters. \u00c4hnlich war es bei der Arbeit mit dem Bl\u00e4ser-Ensemble der deutschen Oper Berlin an Kompositionen von Eberhard Weber, und bei der Erarbeitung von Kenny Wheelers Kompositionen f\u00fcr die Bl\u00e4ser des SO Hamburg mit dem Trio Azimuth. Dirigentische Zeichengebung war sowieso klar, aber ich erinnere, dass ich mit K\u00f6rpereinsatz, mit Vorsingen\/-artikulation letztlich doch ein Gef\u00fchl f\u00fcr swingende \u203aoff beats\u2039 anregen konnte, das allen Beteiligten sogar auch Spa\u00df machte. Ganz allgemein: Bl\u00e4ser, vor allem Blechbl\u00e4ser, waren viel aufgeschlossener dieser f\u00fcr sie neuartigen Artikulationsweise gegen\u00fcber als die Streicher! Im R\u00fcckblick denke ich, dass die j\u00fcngeren Musiker\/innen interessiert mitgezogen haben, dass der \u00e4ltere Teil der Orchester teils pflichtgem\u00e4\u00df aber \u203awurschtig\u2039 dabei war oder sein Missfallen ganz offensichtlich mimisch ausdr\u00fcckte. Ich hatte sehr gute Erfahrungen mit dem klassischen Chor des NDR (Ellingtons&nbsp;<em>Sacred Concerts<\/em>,&nbsp;<em>Requiem<\/em>&nbsp;von Steve Grey), der begeistert bei unserer BB dabei war. Allerdings wurde der Chor nicht mit off beat-Phrasierungen belastet, sondern hatte meist klangsch\u00f6n und ausdrucksstark die Ellington-Voicings zu interpretieren. (Private Anmerkung: Da war meine mehrj\u00e4hrige Arbeit als Chor-Korrepetitor am Grazer Opernhaus sehr hilfreich. In den oft \u203alyrischen\u2039 Passagen ist schon eine andere Zeichengebung notwendig als bei stark swingenden BB-Stellen.)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihr habt regelm\u00e4\u00dfig Gastdirigenten eingeladen. Wann und wo machte das besonders Sinn und was konnten die besser als wenn Du die Band geleitet h\u00e4ttest?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Komponisten und Arrangeure, deren Musik wir im Repertoire haben wollten, \u203adurften\u2039 immer ihre eigenen St\u00fccke leiten, wenn sie wollten und konnten (was fast immer der Fall war), wie sie sich ja auch immer einen Gast-Schlagzeuger w\u00fcnschen konnten: die Schlagzeugstelle war bei uns nicht fix besetzt, da wir f\u00fcr unser breites Repertoire stilistisch bestens qualifizierte Musiker von Charlie Antolini bis Tony Oxley haben wollten. Was diese G\u00e4ste besser konnten als ich? Ich denke, Dirigieren im technischen Sinn nicht, vielleicht brachten sie ihre Musik mit (noch) gr\u00f6\u00dferer \u00dcberzeugung \u00fcber die Rampe. Es gab vor allem einen ganz pragmatischen Grund f\u00fcr das Engagement von Gastdirigenten: Ich hatte nur eine begrenzte Anzahl von \u203aDirigiertagen\u2039 (anfangs 140 pro Jahr, viel zu viel; dann 110, das ging gut neben meinem zweiten Hauptjob in Hamburg, der Leitung der Jazzabteilung an der Musikhochschule; dann 80, sehr angenehm, zuletzt 60, sehr, sehr angenehm), also mussten die L\u00fccken auf jeden Fall gef\u00fcllt werden, im Ergebnis ein Gewinn f\u00fcr unsere gemeinsame Sache.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vor einigen Jahren hattest Du mal das 100k\u00f6pfige Orchester der chinesischen Roten Armee dirigiert&#8230; Was war da los? Und wie war&#8217;s?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den 90er Jahren war ich mehrmals jeweils im Herbst in Beijing im Rahmen des DAAD-Austauschprogramms (Reisespesen, Hotel, Tagesdi\u00e4ten, kein Honorar), meist an der von Yamaha gesponserten \u203aMidi School\u2039 f\u00fcr Pop und Rock, gelegentlich auch am Konservatorium und an Musikschulen in der Umgebung von Beijing. Bald kamen einige Musiker der \u203aBigband\u2039 der Roten Armee (ich glaube sie hie\u00df \u203aRed Eagle Banner\u2039) und haben mich dem leitenden \u203aMusik-General\u2039 vorgestellt, der so was von h\u00f6flich und ergeben vor mir aufsalutierte. Diese etwa 30 Musiker waren alle Mitglieder der 5 gro\u00dfen \u203asinfonischen\u2039 Milit\u00e4r-Blasorchester (jeweils ca. 100 Musiker) gewesen, die es tats\u00e4chlich hingekriegt hatten, eine eigene Gruppe zu bilden und Jazz zu spielen, oder spielen zu wollen. Es gab ein bescheidenes Repertoire, so was wie \u203avery-easy-Tanzorchester-Zicken-Swing\u2039, und wir haben es dann zu ganz ordentlich phrasierten swingenden aber technisch schon leichteren Count Basie-St\u00fccken gebracht. Als ich das erste Mal in Beijing ankam, fand gerade das 2. Internationale Jazzfestival statt auf dem ich dann j\u00e4hrlich spielen konnte, mit Neighbours, mit Cercle, mit der NDR Bigband, mit ENIM (Ensemble for New Improvised Music) \u2013 das war eine tolle wirklich internationale Gruppe die ad hoc in Beijing entstanden war (Mark Dresser\/USA b, Andi Schreiber\/Austria viol, Peter Veale\/Australia oboe, Vladimir Tarasow\/Lit dr, ein weiterer lokaler Geiger, und ich, ich hoffe, ich habe niemand vergessen); wir hatten dann noch eine Einladung nach Georgien zu einem Avantgarde- Festival (!) in der N\u00e4he von Tiflis \u2013 mit einer Riesengage, f\u00fcr die ich mich noch heute sch\u00e4me. Ich erinnere, dass einige Musiker \u203ameiner\u2039 NDR Bigband mit Freude und Interesse Satzproben mit der military band gemacht haben, mit der wir auch einmal das Festival er\u00f6ffnen durften.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8212; &#8212;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fragen an Mathias R\u00fcegg<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn20\"><sup><strong>[20]<\/strong><\/sup><\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mathias R\u00fcegg wuchs in Graub\u00fcnden auf und studierte ab 1973 erst in Graz, dann in Wien Klavier und Komposition. 1977 gr\u00fcndete er das Vienna Art Orchestra (VAO), das bald zu einer der herausragenden gro\u00dfen Ensembles Europas werden sollte und auch von amerikanischen Medien f\u00fcr seine Fortentwicklung der Bigbandsprache gelobt wurde. Das VAO ging durch verschiedene Stadien, die sich durch unterschiedliche Besetzungen, Repertoires und musikalische Ans\u00e4tze auszeichneten. In seiner 23-j\u00e4hrigen Geschichte legte das Orchestra mehr als 35 Tontr\u00e4ger vor, die sich mal verschiedenen Aspekten der amerikanischen Jazzgeschichte widmeten, mal den unterschiedlichsten europ\u00e4ischen Traditionen, die mal st\u00e4rker improvisatorisch ausgepr\u00e4gt waren, dann wieder st\u00e4rker kompositorisch. Neben seiner Arbeit f\u00fcr das VAO war Mathias R\u00fcegg 1993 einer der Mitgr\u00fcnder des Wiener Clubs Porgy and Bess, dem er einige Jahre auch als k\u00fcnstlerischer Leiter vorstand. 2003 gr\u00fcndete er das Austrian Music Office, das vierzehn Jahre lang den renommierten Hans-Koller-Preis vergab. R\u00fcegg lebt und arbeitet in Wien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Komposition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wolfram Knauer:&nbsp;<\/em><\/strong><em>Du hast ja in den 1970er Jahren in Graz Dein Handwerk verfeinert. Kannst Du ein wenig dar\u00fcber erz\u00e4hlen, wie Dein auch klassisches Kompositionsstudium Einfluss auf Deine Arbeit als Jazzkomponist hatte?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mathias R\u00fcegg:&nbsp;<\/strong>Ich hatte mich dort lediglich ein Jahr damit besch\u00e4ftigt. Da ich aber mit Klassik aufgewachsen bin, hatte ich bereits einen \u203adirect access\u2039 zur klassischen Musik. Das meiste passierte dann aber durch \u203alearning by doing\u2039. Zus\u00e4tzlich gab es sp\u00e4ter eine jahrelange Freundschaft mit dem Komponisten Nali Gruber, von dem ich viel lernen konnte. und das H\u00f6ren verbesserte sich bei mir kontinuierlich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Siehst Du Deine Arbeit, die ja mit Komposition und Improvisation arbeitet und auch mit Techniken aus den Welten europ\u00e4ischer und afro-amerikanischer Traditionen, als eine Fortf\u00fchrung der Third-Stream-Bewegung \u2013&nbsp;&nbsp;oder ist Dir eine solche Zuordnung zu simpel?&nbsp;<\/em><em>Du hast Deine Musik f\u00fcr das VAO selbst einmal als&nbsp;<\/em>\u00bb<em>American jazz with American timing and idiomatic American phrasing, but from a European point of view<\/em>\u00ab<em>&nbsp;bezeichnet<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn21\"><sup><em><sup><strong>[21]<\/strong><\/sup><\/em><\/sup><\/a><em>.&nbsp;<\/em><em>Wo verortest Du f\u00fcr Dich die unterschiedlichen Traditionen, auf die Du Dich in Deiner Arbeit beziehst?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde mich als Polystilisten bezeichnen, vielleicht auch als musikalischen Jongleur in der Schnittstelle zwischen Jazz, Klassik, evtl. auch Volksmusik. Und immerhin hatte ich 1969\/70 sogar eine Rockband, mit der ich schon damals Klavierst\u00fccke von Schumann adaptiert hatte, ganz nach dem Vorbild Keith Emersons.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast mit dem VAO eigentlich immer wieder Reverenzen an andere Kollegen (Komponisten und Musiker aus Klassik und Jazz) vorgelegt. Ist diese Spiel mit quasi&nbsp;<\/em>\u203a<em>Bekanntem<\/em>\u2039<em>&nbsp;\u2013 also auf Beispiele, die sowohl f\u00fcr die Musiker wie auch f\u00fcr das Publikums einen Bezugsrahmen bedeuten k\u00f6nnen \u2013 f\u00fcr die Arbeit mit aktueller, zeitgen\u00f6ssischer Musik ein Angebot ans Publikum (ein wenig wie das Standardspielen)? Oder anders ausgedr\u00fcckt: L\u00e4sst sich leichter wider den Stachel l\u00f6cken, wenn man auf scheinbar Bekanntes rekurriert als wenn alles Material f\u00fcr alle Beteiligten&nbsp;<\/em>\u203a<em>neu<\/em>\u2039<em>&nbsp;ist?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich dachte mir, dass es zu vermessen w\u00e4re, wenn das VAO nur St\u00fccke von mir spielen w\u00fcrde. Dieser potentiellen Horizontverengung versuchte im insofern mit einer Horizonterweiterung entgegenzuwirken, als ich \u203aMaterial\u2039 von m\u00f6glichst vielen Musikstilen durchforstete und auf die Realisierungsm\u00f6glichkeiten pr\u00fcfte, um es dann zu adaptieren. Ich war also zur H\u00e4lfte Komponist und zur H\u00e4lfte Arrangeur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vienna Art Orchestra<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie war zu der Zeit, als Du das VAO gegr\u00fcndet hattest, der Ruf des&nbsp;<\/em>\u203a<em>Bigband-Jazz<\/em>\u2039<em>&nbsp;bei Euch Musikern?&nbsp;Das Vienna Art Orchestra hei\u00dft ganz bewusst&nbsp;<\/em>\u203a<em>Orchestra<\/em>\u2039<em>, nicht&nbsp;<\/em>\u203a<em>Bigband<\/em>\u2039<em>, wollte urspr\u00fcnglich also auch die mit der Bigband verbundenen Traditionen \u00fcberwinden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gute Beobachtung! Wir hatten Bigbands eher \u203agehasst\u2039, oder b\u00f6ser gesagt, das musste man damals, wenn man zur Avantgarde geh\u00f6ren wollte. Bis ich sp\u00e4testens 1997 festgestellt hatte, dass ich in Wahrheit eigentlich immer im Geiste schon lange f\u00fcr Bigband geschrieben, es bis dato aber nicht gemerkt hatte. Aber die gr\u00f6\u00dfte Challenge war dann 2009, als ich die Bigband in ein Kammerorchester verwandelte. Vier Streicher statt Saxophonsatz, drei Holzbl\u00e4ser (Fl\u00f6te, Klarinette Fagott), drei Blechbl\u00e4ser (Trompete, Fl\u00fcgelhorn, Posaune), rhythm section (ebenfalls Klassiker) &amp; drei Jazzsolisten. Das war wohl zeitlich noch etwas zu fr\u00fch, aber ich finde das Album&nbsp;<em>Third Dream<\/em>&nbsp;sehr spannend und total unterbewertet! Im \u00dcbrigen sehe ich mich als Sp\u00e4tz\u00fcnder. Je \u00e4lter ich geworden bin, desto substantieller wurde meine Musik. Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit dabei: das L\u00f6sen vom Zeitgeist, von Coolness und von Hipness. Zum Gl\u00fcck halten sich die zeitbedingten Peinlichkeiten in Grenzen. \u203aFree\u2039 hatte damals live super funktioniert, aber sich das dann sp\u00e4ter auf Tontr\u00e4ger anh\u00f6ren zu m\u00fcssen, f\u00e4llt f\u00fcr mich eher ins Kapitel \u203aStrafe\u2039.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Prinzip gab es&nbsp;drei&nbsp;Ausgaben des VAO, die erste Besetzung bis 1990, die&nbsp;Besetzung&nbsp;von 1990 bis etwa 2008 und die Besetzung nach 2009,&nbsp;in der neben den Jazzern auch vermehrt klassische Musiker sa\u00dfen, die aber auch mit der Jazzsituation umgehen konnten.&nbsp;Gab es in diesen drei Besetzungen auch f\u00fcr Dich als Komponisten Unterschiede in der Herangehensweise? Und falls ja, wie lie\u00dfen sich diese beschreiben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die erste war 1977\/78 (Happening-Phase), dann 1979 bis 1987 (Urbesetzung mit Uli Scherer, Roman Schwaller, Bumi Fian, Lauren Newton etc.) dann 1988 bis 1997 (verschiedene szenische Konzeptprogramme wie&nbsp;<em>Fe &amp; Males<\/em>&nbsp;oder&nbsp;<em>VAO Plays for Jean Cocteau<\/em>), dann 1998 bis 2008 (Big Band) und dann 2009\/10 das Kammerorchester. Im Prinzip ging es bei jedem Programm um eine andere Herausforderung, die ich mir gestellt hatte. Bis 1987 passierte alles aus Zufall, unbewusst. Die Musik war einfach da. Aber ab dann musste ich sehr k\u00e4mpfen. Erst ab 1998, also nach zehn Jahren, ging dann wieder fast alles wie von selbst. Au\u00dfer bei dem Kammerorchester, da musste ich&nbsp;erst ganz vieles erfinden. Den Klassikern hatte ich die Soli z.B. ausgeschrieben, in untereinander kombinierbaren Mehrfachvarianten, so, dass sie jeden Abend etwas anderes spielen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast bei der Auswahl Deiner Musiker immer Wert darauf gelegt, dass sie sich im Ensemble wohlf\u00fchlen, aber auch&nbsp;die M\u00f6glichkeit der solistischen Freiheit&nbsp;bewahren.&nbsp;Wie beugt man bei der langj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit mit einem Gro\u00dfensemble dem Satzspieler-Frust vor, der Bigbands durchaus eigen ist (in Deutschland spricht man gelegentlich von den Musikbeamten bei den Musikern, denen durch die Pflicht\u00fcbung des Satzspiels ihre Kreativit\u00e4t abhandengekommen ist)?&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigste F\u00e4higkeit jedes guten Leaders ist \u2013 egal in welchem Bereich \u2013, das Talent, die Mitspieler motivieren zu k\u00f6nnen. Und alle lebendigen Gro\u00dfformationen bestanden, im Gegensatz zu sp\u00e4ter entstandenen staatlich verordneten Klangk\u00f6rpern, fast ausschlie\u00dflich aus Solisten. Eine Bigband kann sehr schnell nach etwas klingen. entscheidend wird es dann, wenn die Soli beginnen! Und einen Solisten f\u00fcr einen ganzen Abend einzuladen, fand ich immer schon eine eigenartig konstruierte Idee, die es so nicht mal in der Klassik gibt. Jedenfalls kann man mit so einem Konzept die Mitspieler nicht motivieren! Und Satzspielen kann ja auch Spa\u00df machen!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du bist, ganz im Sinne Ellingtons, ein Komponist, der f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeiten der Musiker schreibt. Was genau ist das: die Pers\u00f6nlichkeit eines Musikers? Und wie macht sich das musikalisch fest?&nbsp;Und haben diese Musiker, f\u00fcr die Du schreibst, auch selbst Mitspracherecht? R\u00fcckkopplungsrecht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man zusammen auf Tournee ist, dann will man nat\u00fcrlich den Solisten Parts vorlegen, die sie m\u00f6gen und herausfordern. alles andere w\u00e4re absurd \u2013 und passiert haupts\u00e4chlich in einmaligen \u203aProjekten\u2039, in denen es zum guten Ton geh\u00f6ren kann,&nbsp;<em>gegen<\/em>Musiker und&nbsp;<em>gegen<\/em>&nbsp;den Klang der Instrumente zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast ja schon die F\u00e4den in der Hand gehalten im VAO. Hast Du Dich dennoch als&nbsp;<\/em>\u203a<em>primus inter pares<\/em>\u2039<em>&nbsp;verstanden in dieser als wilder Haufen gestarteten Truppe, die mit der Zeit immer mehr Form erhielt? Oder hat sich deine Rolle gegen\u00fcber dem Orchester gewandelt mit der Zeit?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich war das VAO am Schluss ja immer (nur) ich. Eine Erkenntnis, zu der ich sehr sp\u00e4t gelangt bin, denn ich hatte mich ja immer sehr zur\u00fcckgenommen. Anders gesagt: Die musikalisch-stilistische Entwicklung des VAO entspricht haargenau meiner eigenen. Vom Chaos zur (versuchten) Perfektion.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dirigat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Du bist als Komponist der Garant f\u00fcr den Verlauf der Musik, aber auch als Orchesterleiter. Welchen Einfluss hat Deine Anwesenheit auf den Verlauf des Abends? Wie kannst Du steuern? Oder was kannst Du eben gerade nicht steuern?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es verh\u00e4lt sich ziemlich genau wie im Fu\u00dfball. Die wichtigste Arbeit des Trainers passiert vor dem Spiel. Gestikuliert wird f\u00fcrs Fernsehen. Sein einzig konkreter Eingriff ins Spiel ersch\u00f6pft sich durch Zeitpunkt und Wahl der Wechselspieler. Dazu br\u00e4uchte er aber nicht mal auf dem Spielfeld zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das VAO mag zwar als&nbsp;<\/em>\u203a<em>Anarcho-Haufen<\/em>\u2039<em>&nbsp;begonnen haben, wie es immer wieder beschrieben wurde, hat aber sehr schnell eine Handschrift erhalten, die ganz klar Mathias R\u00fcegg zuzuordnen war. Dem Komponisten R\u00fcegg also. Inwieweit hast Du das VAO als&nbsp;<\/em>\u203a<em>Dein Instrument<\/em>\u2039<em>&nbsp;begriffen, wie es Ellington so oft nachgesagt wird&#8230;?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich als Klavierspieler \u2013 im Gegensatz zu Ellington \u2013 unf\u00e4hig war, blieb mir gar keine andere M\u00f6glichkeit!&nbsp;Und siehe oben: Die Entwicklung des VAO war immer (auch) meine eigene.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast neben der Arbeit mit dem VAO (aber sicher auch durch sie) immer wieder Kompositionsauftr\u00e4ge f\u00fcr andere Besetzungen erhalten, Sinfonisches, Kammermusik oder kleinere Besetzungen&nbsp;und hast einmal gesagt, dass das eigentlich viel interessanter ist als f\u00fcr Bigband zu schreiben.&nbsp;Inwiefern unterscheidet sich das Schreiben f\u00fcr ein Dir erst einmal nicht bekanntes Ensemble vom Schreiben f\u00fcr bekannte Musiker wie die des VAO?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe immer liebend gerne f\u00fcr klassische Musiker geschrieben. Man muss die Musik nicht mit dem Solisten teilen. Wobei das eine eigene Kunst w\u00e4re, die fr\u00fcher alle beherrschten, heute nur noch wenige. Man ist also alleiniger \u203aKreator\u2039 und f\u00fcr alles verantwortlich. Man kann nicht einfach \u203aswing in g-minor ad lib\u2039 schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welches waren Deine M\u00f6glichkeiten der Leitung &nbsp;des VAO? Hast Du Gesten, Blickdirigate, Lenkung der Band auch in improvisatorischen Partien entwickelt \u00fcber die Jahre? Sind Dir die Musiker da immer gefolgt? Gab es Konflikte dabei, oder Missverst\u00e4ndnisse?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker hat einmal zu einem Gastdirigenten, der sich mit dem Orchester anlegen wollte gemeint: Gut, aber dann spielen wir das, was Sie dirigieren&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gibt es Unterschiede des Dirigats \u2013 sowohl in der Art wie auch in der Funktion des Dirigierens \u2013 in der Probe und des Dirigats w\u00e4hrend des Konzerts?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Einstudieren ist mit Abstand das Wichtigste. Der Rest sind vor allem Motivation und die richtigen Tempi.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie verstehst Du Deine Rolle als Dirigent vor der Band? Dein Kindheitstraum war, sagtest Du ja einmal im Gespr\u00e4ch mit Robert Menasse, Kapit\u00e4n<a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftn22\"><sup><strong>[22]<\/strong><\/sup><\/a>. Gab es f\u00fcr Dich das Anliegen, als Dirigent auch eine gewisse Kontrolle \u00fcber den improvisatorischen Fortlauf zu nehmen, um das Arrangement in der Gesamtheit zusammenzuhalten? Oder bist Du vor allem Einsatzgeber, Orientierungshilfe?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt! Die Produktionen der letzten 20 Jahre waren immer genauer festgelegt, so, dass es mich als reinen Dirigenten kaum gebraucht h\u00e4tte. Aber ich war ja immer auch Road Manager, Reiseleiter, Finanzchef, Koordinator etc.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn Ihr bestimmte St\u00fccke bereits etliche Male gespielt habt, wof\u00fcr braucht es dann noch den Mann vorm Orchester? Sprich: Wie ver\u00e4ndert sich die Aufgabe des Dirigenten mit der Repertoiregel\u00e4ufigkeit der&nbsp;<\/em>\u203a<em>zu dirigierenden<\/em>\u2039<em>&nbsp;Musiker?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>siehe vorherige Antwort<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zwei Deiner Helden sind gewiss Duke Ellington und Gil Evans. Der eine ein gro\u00dfer Showman, der andere ein eher im Hintergrund agierender Arrangeur. Ellington hat an jeder Stelle die M\u00f6glichkeit gehabt, Einfluss zu nehmen, durch seine Pers\u00f6nlichkeit, B\u00fchnenpr\u00e4senz aber auch sehr pr\u00e4sente Art Klavier zu spielen. Evans hat das eher hintergr\u00fcndig getan, ebenfalls von den Tasten aus, aber eher als eine Art Sicherheitsbremse oder -antrieb, sollte man ihn brauchen. Wie hast Du Deine Rolle vor oder hinter dem Orchester gesehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war auf der B\u00fchne immer eher \u203athe man in the shadow\u2039. Und das war auch gut so, weil ich ja sonst \u203aomnipr\u00e4sent\u2039 war. Zum Beispiel mit der Wahl der Musiker und der Techniker, mit der Wahl der Programme und deren dramaturgischen Umsetzungen etc. etc. Mit Gil Evans verband mich im \u00dcbrigen eine lose Freundschaft \u00fcber mehrere Jahre. Und Duke hatte ich noch 1974 im Fr\u00fchjahr (wenn ich mich richtig erinnere) bei einem seiner letzten Konzerte in Graz geh\u00f6rt. Aber eines meiner ganz gro\u00dfen Vorbilder am Anfang war Carla Bley! Ihre Musik hatte eine magische Wirkung auf mich. Erst sp\u00e4ter entdeckte ich nach und nach die vollst\u00e4ndige Geschichte samt all&nbsp;ihrer gro\u00dfen Meister!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Vgl. Glawischnig 1992, der statt des Begriffs \u203aKomponist\u2039 Hilfsbegriffe wie \u00bbKonzeptor, Struktur- oder Verlaufsplaner, Ideen-Lieferant, Erzeuger von Improvisationsvorlagen, Improvisations-Animator, Bezugsrahmen-Setzer, Erzeuger von Rahmenbedingungen, Steuermann von proze\u00dfhaften Verl\u00e4ufen\u00ab einf\u00fchrt. (Dieter Glawischnig: Mitteilungen aus der musikalischen Praxis, in: Wolfram Knauer (Hg.): Jazz und Komposition, Hofheim 1992 (Wolke), S. 159-178; hier: S. 163<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>&nbsp;Tom Lord: The Jazz Discography, Version 15.0 (2014) [CD-Rom]<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>&nbsp;Cab Calloway &amp; Bryant Rollins: Of Minnie the Moocher &amp; Me, New York 1976 (Crowell), S.&nbsp;62<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>&nbsp;Ebd., S. 65-66<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>&nbsp;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dtG5m7P56vk (aufgerufen am 28. Mai 2015)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>&nbsp;https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LSC0zze3dz0 (aufgerufen am 28. Mai 2015); vgl. auch den kompletten Film&nbsp;<em>Jivin&#8216; in Bebop<\/em>, der Gillespies Eingebundenheit ins kommerzielle Showbusiness zeigt; https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZjIWIJTPwu4 (aufgerufen am 28. Mai 2015)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>&nbsp;Karla FC Holloway: Passed On. African American Mourning Stories.&nbsp;A Memorial, Durham\/NC 2002 (Duke University Press), S. 175-176<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>&nbsp;http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/f\/f7\/Duke_Ellington_-_Hurricane_Ballroom_-_Duke_directing_2.jpg (aufgerufen am 28. Mai 2015)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>&nbsp;<em>The Ella Fitzgerald &amp; Duke Ellington Cote D&#8217;Azur Concerts on Verve<\/em>&nbsp;(Verve 314-539 033-2)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>&nbsp;https:\/\/youtu.be\/4ZLvqXFddu0 (aufgerufen am 28. Mai 2015)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a>&nbsp;http:\/\/www.conduction.us\/ (aufgerufen am 28. Mai 2015)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a>&nbsp;Klaus H\u00e4rtel: Von Autopilot und Technik. Richard DeRosa \u00fcber Unterschiede des Dirigats, in: Clarino.print, May 2015, S. 35<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a>&nbsp;Dieter Glawischnig gab seine Antworten auf die Fragen des Autors per e-Mail vom 15. April 2015.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a>&nbsp;Andreas Fellinger: Aus der K\u00fcrze des Lebens. Morgen Samstag feiert der Pianist, Komponist, Big-Band-Leiter, Hochschullehrer und Musikwissenschaftler Dieter Glawischnig, ein Grazer in Hamburg, seinen 60. Geburtstag. Und zwar, wie es sich geh\u00f6rt, \u00f6ffentlich: im Grazer Orpheum, in: Neue Zeit (Graz), 6.Mar.1998, S. 29<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a>&nbsp;NN: NDR-Bigband.&nbsp;<em>Die dunkle Seite des W\u00fcrfels<\/em>. Kompositionen von Dieter Glawischnig, in: [Konzert-Werbeblatt], NDR Hamburg, 4.Feb.1994 (im Archiv des Jazzinstituts Darmstadt)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a>&nbsp;Werner Burkhardt: Garstig swingendes Melodram. Dieter Glawischnig schreibt f\u00fcr die NDR Big Band, in: S\u00fcddeutsche Zeitung, 12.\/13.Feb.1994 (Ausriss im Archiv des Jazzinstituts Darmstadt)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a>&nbsp;Oskar Aichinger: Third Stream. Anmerkungen zu offenen Fragen &#8211; Ein Interview mit Dieter Glawischnig, in: Jazzforschung\/jazz research, #24 (1992), S. 183-189, hier: S. 186<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a>&nbsp;Hans Kumpf: Dieter Glawischnig. Das Verstehen von Musik ist f\u00fcr mich gleich wichtig wie das Machen, in: Jazz Podium, 43\/10 (Oct.1994), S. 23-24, 26, 29-30; hier: S. 30<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a>&nbsp;Ekkehard Jost: Free Jazz. Stilkritische Untersuchungen zum Jazz der 60er Jahre, Mainz 1975 (Schott), S. 57<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a>&nbsp;Mathias R\u00fcegg gab seine Antworten auf die Fragen des Autors per e-Mail vom 22. April 2015.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a>&nbsp;Patrick J. Butler: Is 20 Years Enough? Mathias R\u00fcegg is not sure if his Vienna Art Orchestra&#8217;s 20th anniversary is another highlight of its success or its grand exit, in: Down Beat, 64\/9 (Sep.1997), S. 10-11; hier: S. 10<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/229111AF-40D4-49AC-8EAF-16A0DB4400B8#_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a>&nbsp;Robert Menasse: &#8230;Zwischen K\u00fcnstlern. Robert Menasse im Gespr\u00e4ch mit Mathias R\u00fcegg, in: Jazz Zeit, #27 (Apr.2002), special supplement, S. 8-9; hier: S. 8<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00dcberblick \u00fcber die Tradition von Komposition und Dirigat im Jazz mit ein paar speziellen Fragen an die Dirigenten und Komponisten Dieter Glawischnig und Mathias R\u00fcegg Im Zentrum dieses Kapitels steht die Doppelt\u00e4tigkeit der beiden \u00f6sterreichischen Pianisten, Komponisten und Bandleader Dieter Glawischnig und Mathias R\u00fcegg. 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